CH-AV/20, Wallach, geb. 28. April 1986
V: Monzer Or. Ar. v. Mohawed ad. Fifi
M: Hilala v. Hilal Or. Ar. ad. El Garia Or. Ar.

 

Alles Gute zum 20. Geburtstag!

Aus diesem Anlass schreibe ich hier unsere gemeinsame Geschichte.

Bei mir fing die Arabitis wohl wie bei vielen mit dem Buch "Blitz der schwarze Hengst" an. Kurz darauf folgten die ersten Sachbücher über das Arabische-Vollblut. Als ich meine Lehre abgeschlossen hatte, wollte ich mir meinen lang ersehnten Wunsch "ein eigenes Pferd" erfüllen. Am 15. November 1987 habe ich Musafir, bei der Familie Arlette und Ernst Studer in Cheiry, zum ersten Mal gesehen. Der junge Fuchshengst hat mir sofort gefallen. Gezüchtet wurde Musafir von Hans Lehner in Niederweningen. Leider konnte ich ihn nie kennen lernen, da er kurz zuvor verstorben war. Im Mai 1988 habe ich Müsu dann definitiv gekauft, und da fing eine sehr turbulente Geschichte an:

Nachdem wir ein Jahr lang fleissig spazieren waren, kam der Tag, wo Claudia Studer meinte: komm jetzt setz dich mal drauf. Bei ihren Pferden ging das ja ausnahmslos gut, aber nicht bei Müsu. Ich musste mich mit einem Sprung auf den Waldboden retten. Danach machten wir mit Arlette Schritt für Schritt weiter.

Im Mai 1989 wurde Musafir zum Wallach. Als die Familie Studer Ende 1989 nach Frankreich auswanderte, nahm ich meinen Müsu zu mir nach Hause, doch da brauchte ich noch einen Kameraden. Nach langer Suche fand in bei Marianne Weber in Boswil einen schwarzen Shetty-Wallach namens Hardy (geb. 12. Juni 1984), welcher schon Araber gewohnt war, lebte er doch mit dem Hengst Bafran Balabur zusammen.

Am 23. September 1989 war der grosse Tag gekommen, als meine zwei in den neuen Offenstall in Gelterfingen einzogen. Schon von Anfang an war der kleine Hardy der Big Boss, und auch ich hatte am Anfang Mühe mit dem "Kleinen", meinte ich doch, ich könne nur spazieren gehen, aber weit gefehlt in Hardy steckte mehr? So kam ich zum Pony-Fahrsport. Wir besuchten diverse Kurse und Turniere, somit war auch Hardy gefordert.

Die Probleme mit Musafir hielten allerdings länger an. Nachdem er mir immer wieder durchbrannte und sich auch an der Hand losriss und heim raste, brauchte ich fremde Hilfe. Leider hatte ich da noch keinen Anhänger um in die Reitstunden zu fahren auch sonst war niemand in der Gegend welcher sich meinem Problem annahm. Im August 1990 meldete ich mich für den Empfa Kurs mit P. Kreinberg an, wo vorgängig das Verladen schon eine Geschichte für sich war. In diesen drei Tagen hatte ich Stress pur mit meinem jungen Müsu, er wollte immer die Halle Hals über Kopf verlassen oder aus der Box stürmen etc. Für die Rückfahrt warf er beim Verladen Männer um und galoppierte durch die Empfa wie ein wilder. In diesem Kurs lernte ich Katrin Krause kennen, welcher wir sehr viel zu verdanken haben, an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an Katrin.

Aber zuerst traf ich Ende 1990 auf ein Inserat, wo eine Bereiterin Namens Kaira nach der Linda-Tellington-Methode bei einem zu Hause ausbildete. Zuerst dachte ich, jetzt hätte ich das Richtige für uns gefunden, gekostet hat sie jedenfalls eine Menge und von sanfter Ausbildung war da nicht viel, aber wir haben doch einiges gelernt und ich war immer dabei und wusste was ging. Eines Tages da meinte sie dann, dass ich dieses Pferd metzgen lassen solle, der sei lebensgefährlich und ich könne den auch sonst niemandem verkaufen. Na ja, eigentlich hatte ich ja langsam aber sicher das Gefühl, dass das nicht der richtige Weg war, aber was jetzt???

Da telefonierte ich Katrin und ging anschliessend eine Woche zu ihr nach Roggliswil, natürlich mit Müsu und Hardy, das war im Oktober 1991. Katrin fuhr dann mit uns nach Zürich ins Tierspital um Müsu´s hinkenden "Schlarpigang" untersuchen zu lassen. Daraufhin wurde er an beiden Hinterbeinen in den Fesselgelenken operiert, Diagnose: Chip-Frakturen plantar. Da dachten wir, wir hätten das Problem gelöst, aber sein Hinken und "Schlarpen" blieb bis heute. Im Tagebuch von Herr Lehner konnte nachgelesen werden, dass Müsu einjährig einen Sturz links hatte, aber ob das der Grund des Hinkens war, weiss niemand.

Im März 1992 waren wir wieder bei Katrin und konnten wieder einiges lernen, aber auch sie hatte letztendlich Zweifel ob aus diesem Monster jemals was wird. Nachdem wir wieder zu Hause waren, bekam Müsu eine Huflederentzündung, er ging bis da Barfuss. Nun mussten Eisen drauf, das machten wir 3x, denn dann kamen schon die nächsten Röntgenbilder, diesmal von Bern. Müsu ging plötzlich vorne links sehr lahm, Diagnose Röhrbeinriss. Da musste er dann zehn Wochen in der Box plus Miniauslauf ausharren, da nahm ich ihm die Eisen ab und fing langsam mit den Hufschuhen an. Seit da gehen wir nur mit Swiss Horse Boots ausreiten.

Im Juni 1993 starteten wir im Sand, Bern, zum ersten Mal an einem Distanzritt. Im Oktober 1993 wollten wir mit Katrin in Avenches an einem Distanzritt teilnehmen, leider kam es nicht soweit. Zuerst fuhr Katrin in den Acker und das am frühen Morgen und anschliessend wollte Müsu wieder nicht in den Anhänger, ging ab, durch die Kuhweide und mit dem Elektroband an den Beinen verschwand er in der Morgendämmerung spurlos. Da dachte ich, jetzt war alles umsonst, der überlebt das doch nicht oder aber jetzt kann es nur noch aufwärts gehen. Dank einem Bauer welcher ihn auf der Hauptstrasse Richtung Belp einfing, ist er wohl noch am Leben.

Im März 1994 kaufte ich unseren Anhänger und von da an stieg Musafir immer ohne Probleme ein. Ab da gingen wir regelmässig in den Reitunterricht und fuhren an die ersten Gymkhanas, Patrouillenritte und Distanzritte. Auch die Araber-Kurse in Bern haben wir einige Male absolviert und das unter der strengen Herrschaft von Britte Strohmeyer, da haben wir viel gelernt.

Im August 1998 wurde dann die Arthrose in Müsu's Hinkebein diagnostiziert und ab da konnten wir nur noch wenige Male an einen Distanzritt und auch das "Dressürle" und Springen musste reduziert werden.

Im Dezember 1999 zog ich mit meinem Jungs nach Bittwil bei Rapperswil BE um. Und da kamen sie in eine Herde mit einem Quaterwallach Billy, Araberwallach WN Little Eagle und einer CH-Stute Fahra. Müsu hatte mit dem Herdenchef Billy immer wieder heftige Auseinandersetzungen, und da merkte ich, dass alle unsere früheren Probleme wohl auch mit seinem starken Charakter zusammen hingen. Auch in diesem Stall musste ich den Tierarzt öfters haben, zweimal verletzte er sich am Hals so schwer, dass wir eine Flick OP machen mussten.

Im Juni 2003 zogen meine Jungs im gleichen Dorf in einen neuen Offenstall um und erhielten Zuwachs von den Shetty-Stuten Zora, Fuchs (geb. 5. April 1995) und Natschi, Rappe (geb. 29. Juli 1994). Diese zwei fahren wir regelmässig zweispännig am Marathonwägeli, starten an "Töggeliturnieren" und fahren an Rundfahrten mit. Nun hat Musafir seine eigene kleine Herde und "fightet" nur noch über den Zaun mit Billy.

Rückblickend hat sich die Mühe mehr als gelohnt, Musafir hat mir meine vielen Fehler, die ich aus Unerfahrenheit gemacht habe, wohl verziehen. Ich hatte halt mit ihm nicht gerade das einfachste Pferd ausgesucht, von ihm aber sehr viel gelernt. Heute sind wir ein echtes Team und wir gehen zusammen durch dick und dünn. Um die Pferde von der Weide zu holen brauche ich nur Müsu zu rufen und dann kommt er an der Spitze angerannt und der Rest, bis auf Hardy, hinter her. Wenn er eine Bremse hat, kommt er von der Weide zu mir, damit ich ihm dieses Biest entferne und galoppiert zurück auf die Weide. Beim Reiten kann ich heute rechts ein Handpferd mitnehmen und links noch einen Hund an der Leine.

Nun hoffe ich, dass Musafir mir mit unserem Nachwuchspferd behilflich sein kann, betreffend Handpferd etc. Das hatte mir damals sehr gefehlt, ein erfahrenes älteres Pferd an seiner Seite. Zu seinem Geburtstag können wir unseren Youngster nach Hause holen, ich hoffe, er hat dann auch so Freude wie ich. Ich glaube er hat das Hengstspiel nun schon sehr vermisst, da Hardy nicht mehr spielen will und die Ladys auch nichts davon wissen wollen. Mit Billy ging das damals schon etwas heftig zu und her, Müsu hatte stets einen verbissenen Hals, aber mit Eagle konnte er gut spielen.

Musafir wäre vom Kopf her das Distanzpferd gewesen, aber leider seine Beine nicht. Auch bei den Gymkhanas muss er sich mehr Mühe geben als ein "normales" Pferd wenn es ums Stangen treten geht, und davon hat es in jedem Parcour.

Hier noch ein paar unserer Erfolge:
Gymkhana Bütschelegg 2000, 3. Rang
Gymkhana Arabertag 2002, 2. Rang
Gymkhana Arabertag 2003, 1. Rang
Gymkhana Arabertag 2004, 3. Rang
Patrouillenritt Baggwil, Reiter und Biker 2003, 1. Rang
Patrouillenritt Baggwil, Reiter und Biker 2004, 2. Rang
Trakhener-Tage 2003, Equipenprüfung, 1. Rang
Trakhener-Tage 2004, Equipenprüfung, 1. Rang
ZKV-Gymkhana Aetikofen 2004, 3. Rang
ZKV-Gymkhana Hölzli 2005, 3. Rang
Gymkhana Burgdorf 2004, 3. Rang
Gymkhana Heimiswil 2005, 1. Rang
Horseathlon Belp 2005, 2. Rang, (1/2 Punkt Differenz/34 Teilnehmer)

Teilnahme an:
ZKV Gymkhana Finale Bern 2001/2004/2005
1. Schweizermeisterschaft Horseathlon Plaffeien 2005 (Horseathlon = Bodenarbeit/ Geländeritt/Gymkhana/Gelassenheitsprüfung)

 

 

 

 

Aber nun noch zu unserem jungen Füchsli, er heisst:
Muad'dib al Loma
CH-AV/1095/04, Wallach, geb. 3. Mai 2004
V: El Sueno v. Estopa Son ad. Salma
M: Saida Bint Lira v. Bafran Ibn El Shaklan ad. Bafran Bint Lira
Gezüchtet von: Lisette Ochsner, Romanshorn

Auf der Homepage von araber-online sah ich anfangs November 2005 in einem Inserat einen Junghengst zu kaufen, und weil ich mich schon seit einiger Zeit nach einem Nachwuchspferd umsah, rief ich Lisette an.

Muad'dib habe ich am 11. November 2005 zum ersten Mal gesehen, fast auf den Tag genau 18 Jahre nachdem ich Müsu zum ersten Mal gesehen habe, und das jeweils kurz vor meinem Geburtstag. Wenn das kein gutes Omen ist?

Zurzeit ist Muad'dib noch auf der Fohlenweide in Weinfelden. Ich hoffe, dass ich mit ihm später etwas mehr an Distanzritten und Dressurprüfungen teilnehmen werden kann.

 

Das war nun unsere Geschichte und vieles musste ich noch auslassen, sonst hätte es doch noch ein Buch gegeben. Ich hoffe, dass ich Musafir und die anderen noch sehr lange haben kann. Im Moment ist er ja sonst noch top fit und das Galoppieren ist immer noch eine seiner grössten Leidenschaften. Ich hoffe, dass unserer junger Muad'dib sich gut in die Herde einleben wird und sich zu einem tollen Reitpferd entwickelt.

Wer von uns noch mehr wissen will,
hier unsere E-Mail Adresse: c.lobsiger@bluewin.ch.

Cornelia Lobsinger, Messen, 28. April 2006

 

Oder lesen Sie hier weiter: Teil 2 der Geschichte.