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Der Name der Sportart sagt bereits, worum es geht: man reitet eine Distanz.
In der Praxis sieht es so aus, dass ein Veranstalter verschiedene Prüfungen von 20-160 km ausschreibt
und der Reiter die Kilometer der gewählten Prüfung mit seinem Pferd absolviert.
Geritten wird im Gelände und meist in "Schlaufen" von 20-50 km.
Leider gibt es viel zu selten Ritte, die nur aus einer einzigen Schlaufe bestehen (Bsp 90, oder 130 km etc).
Unterwegs werden die Paare von Mitgliedern ihres Teams (das sich jeder Reiter selbst zusammenstellt) betreut.
Dh ungefähr alle 10 km ist es den Grooms erlaubt, auf ihre Reiter und Pferde
zu warten und
Wasser und Nahrung anzubieten. Ohne Grooms ist das Reiten von mittleren und langen Endurance-Prüfungen nicht denkbar.
Denn Pferd, Reiter und Grooms bilden ein Team, dass nur gemeinsam erfolgreich sein kann.
Das beste Pferd reicht nicht aus zum Sieg, wenn die Grooms sich verfahren oder zu spät im Vet-Gate erscheinen, Material vergessen oder schlechte Laune haben!
Das schöne an Endurance ist, dass Freunde oder die ganze Familie an dem Erlebnis teilhaben können.
Reiten Vater, Mutter oder Schwester, kann der Rest der Familie aktiv dazu beitragen,
dass Pferd und Reiter gut abschneiden. Gerade Kinder und Jugendliche lieben dieses Outdoor-Abenteuer sehr!
Viele Distanzreiter werden von ihren Partnern betreut, die sich meist schnell vom Distanzvirus infizieren lassen und
dann vom Groomen ebenso angefressen sind, wie die Reiter vom Reiten.
Vor und nach dem Ritt wird das Pferd einem Tierarzt vorgeführt, der einen Routine-Standard-Untersuch gemäss dem
aktuellem Reglement vornimmt.
Bei längeren Distanzen gibt es nach 25-40 km eine Pause von jeweils 30-40 Minuten, damit Pferd und Reiter
verschnaufen können. In diesen Pausen muss das Pferd ebenfalls einem Tierarzt präsentiert werden.
Nach der Kontrolle hat das Pferd Gelegenheit zu fressen, zu trinken und sich zu erholen.
In allen Vet-Gates (wie die Kontrollen genannt werden) werden Puls, Atmung,
Schleimhäute, Hautturgor, Kapillarfüllungszeit, Darmmotilität und das Gangwerk geprüft.
Pferde, die durch den reglementierten Raster fallen, bekommen keine Starterlaubnis mehr,
sie werden während dem Ritt aus der Prüfung genommen (eliminiert) oder am Schluss des Rittes,
was besonders bitter ist, disqualifiziert.
In
keiner anderen Pferdesportdisziplin (Military ausgenommen) gelten von der
Basis bis zur Spitze so strenge Kriterien zu Gunsten der Pferde. Die Pferde
werden von Anfang bis zum Schluss des Wettkampfs genau von fachkundigen Tierärzten im
Auge behalten.
In vermutlich keiner anderen Disziplin wissen die Reiter der breiten Mitte so viel über ihre Pferde,
verfügen über ein so grosses Wissen rund ums Pferd. Dieses beinhaltet Pferdekenntnis, Fütterung, Training, Haltung,
Hufbeschlag, Sattelkunde, als auch mentales Training und vieles mehr.
Endurance bringt einen dazu, sich für all diese Dinge zu interessieren!
Nur ein Paar, bei dem alles stimmt, kann in Rennen erfolgreich sein!
Doch das ist vorgegriffen, man fängt ja nicht mit Endurance-Rennen an.
Auslöser, sich überhaupt auf diese Pferdesportart einzulassen,
waren bei allen mir bekannten Distanzreitern ihre lauffreudigen Pferde aller möglichen Rassen.
Ob Freiberger, Haflinger, Appaloosa, Warmblüter oder Arabische Pferde ...
wenn sie in Endurance eingesetzt werden, haben sie etwas gemeinsam:
sie verfügen über einen grossen Bewegungsdrang, sind ehrgeizig und,
grösstenteils
ausgeprägte und willensstarke Persönlichkeiten.
Kein Reiter würde es sich antun, ein ängstliches oder faules Pferd über Kilometer zu "tragen"!
Genau so bin auch ich zu diesem Sport gekommen. Meine Shagya-Araber-Stute (Rasseinfos unter:
www.shagya.ch und
www.araber-online.ch/zucht/shagya.htm) Kouhnama
sprang gerne und ging Dressur ganz leidiglich, wenn auch nicht berauschend.
Eher so in der Manier: schnell, bringen-wirs-hinter-uns-und-was-machen-wir-jetzt? Nach einer Dressurprüfung,
in welcher mir ein Richter "nicht der schnellste gewinnt!" zu den Noten schrieb, war ich komplett gefrustet.
Mein Mann kommentierte dies, nicht zum ersten Mal, mit:
"Geh endlich Distanzreiten mit ihr, sie will laufen, das ist kein Dressurpferd!".
Diesmal hörte ich
endlich auf ihn und irgendwie schaffte ich es,
ohne die geringste Kenntnis der Szene meinen ersten Ritt anzumelden.
Beim Studium der Reglemente wäre ich jedoch beinahe umgekippt,
mir schien alles endlos kompliziert zu sein!
Nur der Wunsch, mein Pferd endlich einmal müde zu sehen, trieb mich weiter und liess mich die Sache durchziehen.
Es überrascht vielleicht nicht zu hören, dass nach unserem ersten Ritt über 50 km
nicht Kouhnama die Müde und Erschöpfte von uns beiden war!
Ich vergesse nie, wie mir die Fusssohlen brannten und ich abends mit schweren Gliedern völlig erledigt,
mausetot, aber seeehr glücklich! ins Bett sank.
Und ich werde auch nie vergessen, wie zufrieden mein Pferd nach diesem ersten Ritt war!
Distanzreiten ist für mich in den letzten Jahren die absolute Ergänzung zum Alltag geworden.
Es ist die bestmögliche Art abzuschalten. Drei bis viertägige Abwesenheiten für längere Wettkämpfe
bringen mir trotz körperlichem und mentalem gutem Stress mehr Erholung, als zwei Wochen Ferien am Strand.
Kouhnama bedeuten die Ritte so etwas wie "sich satt zu fressen" - sie wirkt nach jedem Einsatz so,
als wie wenn endlich ein grosser Hunger gestillt worden wäre.
Ihre gewonnene Zufriedenheit hält, je nach Länge der Distanz und gerittener Geschwindigkeit,
2-10 Wochen an. Dann ist der nächste Ritt "fällig", das kann sie unmissverständlich und deutlich anzeigen.
Während
der Saison von April bis Oktober finden in der Schweiz ca zehn Veranstaltungen statt.
Wer Lust hat und den bürokratischen Aufwand nicht scheut, kann auch ins Ausland fahren.
Gerade in Frankreich werden in Grenznähe viele schöne und auch kürzere Ritte durchgeführt!
Wenn mich befreundete Reiter anderer Sportrichtungen fragen, was ich so Besonderes daran finde,
mit dem Pferd irgendwohin zu fahren "nur" um irgendwo ein paar Kilometer im Gelände reiten zu können,
so antworte ich: "Muesch es sälber usefinde und uusprobiere!"
Die Motivation ist unterschiedlich und sehr individuell.
Mir persönlich macht es unheimlichen Spass, in fremdem Gelände schnell reiten zu können,
ohne dass ich mich mit der Strecke befassen muss. Es ist ja alles markiert.
Man hat die Gelegenheit, Geländeschwierigkeiten zu meistern, die man selbst zu Hause nicht hat,
man lernt viele neue, nette Menschen kennen. Und dann ist da noch der Nervenkitzel,
der angenehmer Wettkampfkribbel bei dosiertem Risiko.
Die Pferde lernen mit der Zeit, jede Situation zu meistern und sei sie auch noch so ungewohnt
wie im Galopp direkt der Strasse entlang entgegen den Verkehr zu gehen!
Distanzritte
können einem immer wieder Grenzerfahrung liefern, auch wenn die Strecke nicht sehr lange ist.
Die immer tiefer werdende Beziehung zum Pferd je mehr Kilometer man gemeinsam zurück
legt,
ist kaum zu beschreiben. Fast blindes Verstehen in den gemeinsam gemeisterten Herausforderungen des Wettkampfes.
Wie weit kann man selbst gehen, wo liegt die eigene, wo die Grenze des Pferdes?
Selbst bei einem Paar das schon öfters 90 km erfolgreich absolviert hat,
gibt es keine Garantie dafür, dass es diese Leistung immer und immer wieder locker bringen kann.
Es muss sich jedes Mal der Anforderung von neuem stellen.
Es spielen so viele Faktoren zusammen, dass jeder Ritt zu einem einmaligen, unvergleichlichen Erlebnis wird.
Mal ist das Wetter blendend schön, mal regnet es in Strömen.
Mal ist das Gelände einfach und anspruchslos, manchmal knifflig und tricky.
Dazu kommt die eigene Tagesform und natürlich die des Pferdes.
Auch der Konditionszustand von beiden wird bei jedem Ritt wieder aufs Neue geprüft.
Ich liebe das intensive Gefühl mit beiden Beinen mitten im Leben zu stehen,
welches man während des Rittes bekommt. Die geballte Kraft des Pferdes zu spüren, das laufen will und auch kann.
Das Spiel am seidenen Faden um die Harmonie, der Tanz auf dem Drahtseil zwischen Vernunft, Gefühl und Ehrgeiz.
Wenn es mir gelingt, das Pferd im Rhythmus zu halten, immer im Fluss der Vorwärtsbewegung,
in seiner besten Kadenz und ohne Tempo-Hickhack, dann bin ich stolz und zufrieden mit uns.
Ich geniesse es, unsere Form während des Reitens zu beobachten, zu analysieren und auf die Konkurrenz abzustimmen.
Ich mag auch die kleinen taktischen Spielchen, die man während des Rittes spielen kann.
Alle Eindrücke, vor allem wenn es landschaftlich einmalige Ritte sind, nimmt man mit dem ganzen Körper auf,
so, wie wenn jede Zelle Augen hätte. So wirkt der eine oder andere Ritt noch über Jahre hinweg nach,
kommen immer wieder spezielle Bilder mit Situationen hoch, an die man sich gerne erinnert.
In meiner Seele eingebrannt sind Momente, in denen ich glaubte, alles darin erlebt zu haben,
was es zu erleben gibt, Sekunden, die unendlich wirkten.
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Und zuletzt, um einen Einblick in diesen Sport zu geben, was alles dazu gehört, was man so fühlt und denkt ...
Ein Erlebnisbericht den ich zwei Tage nach dem Rennen im Jahr 2002 für meine Freunde geschrieben habe.
So langsam beginne ich die Eindrücke zu verarbeiten.
Das nationale Distanzrennen über 96 km in Bellinzona (Tessin/Schweiz) am Wochenende vom 25./26. Mai 2002
war wieder mal was ganz Spezielles! Es hat so vielseitige Anforderungen gestellt,
dass die grosse Begeisterung gleich nach dem Ritt auf sich warten liess ...
dafür kommt die Erinnerung jetzt um so deftiger und eindrücklicher.
Landschaftlich und vom Schwierigkeitsgrad her war es sicher nicht annährend so reizvoll oder so schwierig,
wie das Rennen in Faido, das Kouhnama im Jahr 2001 gewann.
Damals war einfach alles von A-Z traumhaft. Die Landschaft sehr abwechslungsreich und atemberaubend,
eine Schlaufe à 91 km, sehr viel bergauf und bergab, ca 3000 m Höhendifferenz zu überwinden,
technisch sehr anspruchsvolles Gelände - seufz ... ach, der Ritt in Faido ist für immer verloren,
er wird wegen der Neat-Baustelle nie mehr durchgeführt werden können und ich werde ihn den Rest meines Lebens vermissen.
In Bellinzona war alles ganz anders!
Am Mittwoch vor dem Rennen habe ich am Vormittag noch gearbeitet bis 14 Uhr, dann ab nach Hause.
Theoretisch hätte ich den Hufschmied gehabt, doch den habe ich abgesagt.
Nach fünf Wochen waren die Eisen noch so fest, runter reissen nur um neue Eisen in die alten Löcher zu tun,
hätte die Wände gefährdet (dafür mussten wir dann am Rennen nach 66 km den Hufschmied haben weil alles lotterte, super!).
Dachte, ich hätte so Zeit, zu packen, denkste.
Schlimme Migräne, ich habe grade mal Kouhni etwas auf dem Viereck longiert (nur im Schritt ein wenig Doppellonge),
dann nach Hause und schon 19.30 im Bett!! Schlief durch bis Donnerstag 7 Uhr,
Kopfweh war fast weg und ich fühlte mich besser. Fing an zu packen - Mensch,
ich war längst nicht mehr so flugs wie früher! Das erste Mal im Jahr ... und nicht mit dem Hänger,
den ich immer habe, weil die meine Reservation schlicht vergessen hatten, bzw sie ihn selber brauchten ... naja.
War sehr froh, dass ich Dianas Hänger nehmen durfte,
denn das ist die gleiche Marke und ich bin mir das Packen mit diesem Hänger gewohnt.
Nur fehlte mir halt die Tonne von Andrea, worin ich bisher immer alles was zum Sattelzeug gehörte verstaute.
Na, mit etwas Erfindungsgeist schaffte ich es doch ... und mit einer Stunde Verspätung fuhr ich um 14.30 vom Stall weg.
In Jona
stieg Nicole beim Bahnhof zu und da regnete es schon ziemlich,
also luden wir Kouhni vor den Augen überraschter Bahngäste rasch aus und legten ihr die Bucas Regendecke an.
Unsere Fahrt über die Axenstrasse und durch den Gotthard dauerte grade mal 3 1/2 h -
ist eigentlich sensationell, nicht? Wir hatten Glück, dass wir noch an der Lastwagen-Kolonne vorbei kamen
(die kanalisierten ja immer noch und liessen den LKW-Verkehr nur einseitig gestaffelt durch den Gotthard).
Riesige LKW-Schlange, sicher 5 km! Dafür kam im Gegenverkehr praktisch nur Schwerverkehr
(gibt einem auch ein etwas mulmiges Gefühl, kann ich euch sagen!).
Natürlich regnete es trotz unserer Beschwörungen auch ennet dem Gotthard. Und wie!!!
Faido vor einem Jahr bei unserer Ankunft lässt grüssen, haargenau das gleiche,
das muss tessinspezifisch sein, diese schleusenmässigen Regengüsse, g*.
In Bellinzona schüttete es sogar noch schlimmer, grässlich und kaum vorstellbar!
Und im Hänger drin war alles platschnass, so richtig gruusig. Kouhni war sogar an den Ohren vorne
nass. Bucas sei Dank war sie unter der Decke jedoch warm und trocken.
Wir haben sie eilig ausgeladen und ins Boxenzelt geführt. Kein rumlaufen nach der Fahrt,
aber nicht in dem Regen, nein danke! Innert Kürze glupschte schon das Wasser in unseren
überhaupt nicht wassertauglichen Turnschuhen.
Dann konnten wir unser Zimmer im J+S-Zentrum beziehen. Super genial, ein Viererzimmer!
Und wir waren ja zu viert. Nicole und ich haben uns also eingerichtet,
Kouhnis nasse Decken und unsere völlig durchnässten Schuhe, Jacken und Hosen zum Trocknen aufgehängt.
Das stank vielleicht fürchterlich nach Pferd, Bananen und Schuhen,
gewöhnungsbedürftig ... Bald kamen dann auch Daniela und Marcel dazu.
Das anschliessende Nachtessen in der Pizzeria war sehr fein,
aber es war laut und man hätte meinen können, wir seien in der Deutschschweiz, hihi!
So viele Rennteilnehmer und ihre Grooms waren da.
Freitag morgen, Ihr glaubt es nicht, strahlendes Wetter!!!!!
Wir konnten nach dem Frühstück ein Padock machen,
alle nassen Sachen aus dem Hänger in die Sonne hängen oder stellen und dann gingen Nicole,
Daniela und Marcel zusammen auf die Strecke um die Groom-Punkte zu suchen.
Ich füllte die Kanister und sattelte Kouhni um Start/Ziel abzureiten.
Wir waren eine ganze Gruppe und mussten uns durchfragen, weil die Markierungen noch nicht alle standen.
Das war was!! Zwei Pferde in der Gruppe führten sich völlig hysterisch auf,
so lange, bis alle anderen auch zu zackeln und zappeln anfingen,
das Rennfieber lag in der Luft und hatte alle erfasst. Sogar erfahrene Kaderreiter waren leicht nervig und
Kouhni natürlich auch. Die Gruppe gedachte die ganze gelbe Schlaufe zu reiten - das waren 24 km.
Nein danke, aber nun den gleichen Weg zurück?
Ich erinnerte mich an eine Brücke in der Hälfte und beschloss,
auf der anderen Seite des Flusses retour zu reiten, das war auch auf Strecke und somit markiert.
Eine andere Reiterin schloss sich mir an und wir fanden so wenigstens auf dem "Heimweg" etwas Frieden.
Wir durften gleich noch zwei deftige Wasserquerungen machen und eine Geröll-Sandbank im Fluss durchreiten.
Schlussendlich waren wir 2 1/2 Stunden unterwegs und ich hatte meinen ersten Sonnenbrand weg.
Keine Sonnencrème dabei! Es war jetzt so heiss, dass ich Kouhni nicht draussen an der Sonne ohne Schatten lassen konnte,
Pferde kriegen auch Hitzschlag, oder?!
Ich stellte sie also in die Boxe und hob die Plane unter dem Dach etwas an, damit die Luft etwas zirkulieren konnte.
Die Vorkontrolle war der Thriller! Unglaublich, aber wahr (mich traf fast der Schlag)
Kouhni hatte 2x Eingangspuls 56 (Max 60 sind erlaubt).
Eigentlich gibt es bei einer Eingangskontrolle bei so erfahrenen Pferden keine Pulsprobleme -
Kouhnama liegt normal zwischen 32-36!!!!!!!
Unter dem Zeltdach, wo gepulst wurde, brach ihr sofort der Schweiss aus. Der TA meinte,
es sei die Hitze und das Flüssigkeitsmanko die ihr zu schaffen mache. Mir war trotzdem etwas mulmig und ich fragte mich,
ob wohl der Cocktail aus Schüssler Salzen, den ich ihr am Morgen verabreicht hatte, schuld an dem hohen Puls war.
Kouhni trötzelte seit Donnerstag, und wie!!! Schon als ich sie im Stall zu Hause abholen wollte und sie mich mit Decke
und Gamasche erblickte, rannte sie auf den Padock heraus. Sie streckte mir das das Hinterteil entgegen, so quasi, hau ab, ich weiss was Du willst, aber nicht mit mir!
Puh! Und in der Zeltboxe hatte sie grade mal 3 x 3 m - klar,
dass sie das stresste, so viel Platz wie ihr sonst zur Verfügung steht.
Null Sicht in die Weite und wegen der grossen Hitze am Freitag auch keine Chance,
sie auf den Padock draussen zu stellen. Dieses Wetter! Mal regnete es in Strömen,
da konnte man erst recht kein Pferd auf den Padock stellen,
oder aber es schien die Sonne so gnadenlos und brennend, dass man widerum darauf verzichtete.
Aber wir hatten trotz allem noch Glück.
Die andere Seite des Stallzeltes stand in einer grossen Pfütze,
dass heisst in den Boxen stand das Wasser ca 10 cm hoch und die Reiter schöpften mit Eimern Wasser aus den Boxen!!
Kouhni hatte es wenigstens halb trocken. Wir streuten alles uns zugeteiltes Stroh und auch noch Heu ein,
so dass es wenigstens nicht mehr so saftete. Es war nicht zu befürchten,
dass sie sich bei so wenig Raum hinlegte. Primaballerina strafte mich für ihre beengten Platzverhältnisse.
Sie frass sehr schlecht und trank noch weniger. Beides war total untypisch.
Normal frisst und trinkt sie am Wettkampf bereits am zweiten Tag problemlos.
Am Donnerstag war mir das noch egal gewesen, aber im Laufe des Freitags wurde ich langsam nervös.
Ihr wisst, wie verfressen sie ist! Und aufs Mal mäkelte sie rum und das Futter blieb übrig. Grrrr.
Na, reinstopfen konnte ich es ihr ja schlecht, nicht?
Ich machte mich vor den anderen Reitern fast zum Narren, als ich versuchte ihr das Futter schmackhaft zu machen.
Schliesslich liess ich es sein. Selber schuld, nicht?
Bei der Vorbesprechung wurde bekannt gegeben, dass noch nicht sicher sei, ob
die grüne Schlaufe, die wir 2x zu reiten hatten, frei gegeben würde.
Es hatte so sehr geregnet, dass eine der Bachquerungen zu gefährlich geworden war.
Marco (der Veranstalter) wollte am Morgen um 5 Uhr zuerst die Stelle
besichtigen gehen und uns kurz vor dem Start um 6 Uhr orientieren.
Glücklicherweise hatte es nicht mehr geregnet und so erhielten wir dann tatsächlich 10 Minuten vor dem Start die Mitteilung,
die Strecke bleibe wie geplant bestehen.
Ich war völlig im Clinch. Welche Taktik sollte ich reiten?
Weil es gleich auf den ersten 10 km ein paar blöde Wendungen und Terrainunterschiede hatte,
beschloss ich, die Spitze zu übernehmen. Es war mir klar, dass es schwierig sein würde,
einen Abstand raus zu reiten aber ich wollte es dennoch versuchen,
schliesslich hatte ich am Vortag die Startstrecke auf fast 8 km Länge abgeritten.
Christine hängte sich gleich an mich und es war klar, dass ich sie nicht loswerden würde.
Sie reihte sich aber immer problemlos hinter mich ein, ihr Pferd hatte die gleiche Kadenz wie Kouhni, also kein Stress.
Kilometerweise im Galopp auf sehr steinigen Wegen der Autobahn entlang, fast alles geradeaus,
holten wir keinen Vorsprung raus, aber wenigstens konnten wir das Tempo bestimmen.
Dann folgte ein anspruchsvolles Stück durch den Wald. Geschlungene, schmale Pfade, mit andauernden Richtungswechseln.
In so technischem Gelände ist Kouhnama Spitze, wir machten da extrem Boden gut,
unsere Pferde galoppierten alles locker und wendig, während die anderen traben mussten. Über eine lange Beton-Hängebrücke,
dann wieder Kilometerweise geradeaus. Bei Kilometer 10 hatten wir noch immer etwas über 20 km/h im Schnitt drauf -
und das gesamt übrige Startfeld wieder im Genick.
Kreuth (zu schnell geritten, Pferd übersäuert und in der Schlusskontrolle raus) liess grüssen, nein danke!
Nicht noch einmal, nicht mehr mit mir!!! Ich beschloss, mich nach hinten abzusetzen und liess alle vorbei.
Kouhni atmete schon recht schwer und ich wollte nicht, dass sie schon jetzt ans Limit kam,
das Rennen war noch lang. Lieber gegen Schluss Reserven mobilisieren können. Kurz darauf der erste Groompoint.
Meine Betreuer warfen die Hände in die Luft, "viel zu schnell", ich: "JAJAJA", ich lasse sie jetzt ziehen.
Sah, dass sich etwas weiter vorne Adri auch zurück fallen liess.
Ihr Mann Franz, der selbst tausende Rennkilometer gemacht hat, schien ihr den Marsch geblasen zu haben ... g*.
Kouhni jetzt zu beruhigen
war nicht ganz einfach. Vor allem fiel mir auf, dass sie aus dem Maul blutete.
Am nächsten Groompoint haben wir daher auf den anderen Zaum mit der Trense gewechselt.
Irgendetwas war mit dem Tellington-Gebiss schief gelaufen, aber so von hinten konnte ich nicht sehen was.
Für gewöhnlich reite ich die ersten Kilometer mit einem Stangengebiss,
damit ich unser Tempo bestimmen kann und nicht Kouhnama oder gar das Feld. Das war bisher immer problemlos gewesen.
Nach dem Wechsel lief sie noch schlechter, total gegen die Hand, vor allem links, da hatte sie in der Maulecke einen Riss.
Gerade das verstand ich nicht, ist doch links meine schwache Hand.
Vermutlich hat der Kinnriemen ihr die Maulspalte geklemmt und die Haut zerrissen ...
Kurz darauf holte ich Adri ein. Ich bat sie, mich vor zu lassen, da Kouhni immer so nahe auf Sacara aufschloss,
dass ich ihr dauernd im Maul hing. Es war grässlich. Adri liess das Pferd immer wieder das Tempo verschärfen,
und immer wenn ich Kouhni wieder im Rhythmus hatte, zog Sacara erneut an, grrrr.
Als wir an den besagten Fluss kamen, stockte mir schon der Atem. Mensch!
Da standen drei Leute bis zum Bauch im Wasser und loteten aus, wo wir durchreiten mussten.
Und das Ding war recht breit ... vielleicht 15 m? Gerade rüber wären wir auf gesamter Pferdehöhe eingesackt.
Riesige Steine, etwas Strömung. Kouhni in der Manier bringen wir's hinter uns à la Military, rein da.
Aber schnell geht in so einer Situation nichts, schon wieder Streit mit meinem Ross,
ich musste sie anschreien, dass sie auf mich hörte. Ihre Füsse kippten nach allen Seiten,
sie rutschte von den Steinen, strampelte, Wasser spritzte, meine Beine waren nass.
Irgendwie kamen wir rüber, fragt nicht wie! Dann drüben am Ufer über steile Felsbrocken hoch,
Kouhni natürlich mit Anlauf aus dem Wasser, rutsch, rutsch, zappel, oben waren wir, uff!
Weiter über vermooste Steine, langsam ... ???
Kouhni zog bei jeder Gelegenheit wieder an, trabte, galoppierte, und es war elend schwer,
sie immer rechtzeitig vor Wurzeln oder Steinlöchern wieder in den Schritt zu bringen. Ihre Ohren nach vorne gespitzt,
sie wusste genau, dass das Feld vor ihr auch da durch war und sie hoffte offenbar, irgendwann wieder aufzuschliessen, seufz.
Eine ganze Weile waren wir so unterwegs, als Kouhni wieder mal so leicht runter und um eine Linkskurve angaloppierte,
und ich den Weg suchte. Wo durch? Gleich darauf sträubte es mir für den Bruchteil einer Sekunde die Haare im Genick.
Erster Impuls wäre bremsen gewesen, aber zu gefährlich, denn der Weg war schmal, rechts ging es steil runter,
wenden nicht gut möglich, da es links steil bergauf ging. Ein knapper halber Meter Platz da.
Wenigstens realisierte ich das, also nach vorne, Mähne gefasst, Beine zu und Kouhni angefeuert.
Zügel lose, sollte Kouhni selbst sehen, wie sie da rauf kam! Gute Reaktion meinerseits
(ein wenig Lob darf ja sein, nicht, g? ... an der Stelle haben sich einige Pferde verletzt, weil sie zu langsam hoch kamen).
Von unten betrachtet sah es aus, wie wenn man senkrecht die Wand hoch müsste
(was natürlich nicht so war - von unten täuscht es wohl gewaltig).
Es handelte sich um ca 3-4 m Höhendifferenz. So flache schmale Erdstufen,
abgeschlossen mit abgerundeten Hölzern. Dazwischen fehlten ein paar Stufen,
es gab nur Erdreich und dann immer wieder ein paar Felstritte. So quasi eine Treppe,
aber unregelmässig und im leichten Zickzack. Das Erdreich war locker und sehr sehr nass,
gab mit jedem Schritt nach! Fragt nicht, wie Kouhni das gemacht hat, auf jeden Fall waren wir oben,
es ging wieder runter und ich hörte Adri hinter mir tief ausatmen und uff rufen.
Ich musste mich erst wieder sammeln, dann sagte ich trocken: "das war deftig, nicht?"
Und Adri: "Ja, nicht mal auf dem Jakobsweg hatten wir so brenzlige Situationen!"
(Adri und Franz sind letztes Jahr diesen Weg von der Schweiz bis Spanien geritten und da
gab es wohl auch einige knifflige Stellen ...) Tja ... guuuuute Pferde, braaaaav !!!!!!!!! Loben, tätscheln!
Wir sind noch eine Weile zusammen weiter, ständig im Streit mit unseren Rössern,
weil sich die beiden Pferde gegenseitig konkurrenzierten. Schliesslich sagte ich zu Adri:
"Sorry, so geht das nicht, das stinkt mir!" Sie war meiner Meinung und entschied,
sie müsse sowieso hinter die Büsche ... also sind Kouhni und ich alleine weiter. Bis ins Ziel waren es da noch ca 18 km.
Von da an ging es bis ins Ziel eigentlich sehr gut. Es kam auch nichts Schlimmes mehr,
nichts, was uns nach den letzten drei Geländeschwierigkeiten
(vom doofen giftigen Aufsprung habe ich nicht erzählt, das kann ich nicht beschreiben) noch geschockt hätte.
Die letzten Hundert Meter vor Start/Ziel/Vet-Gate gingen wir im Schritt,
so dass wir sie schon nach drei Minuten zeigen konnten.
Die gelbe Schlaufe ödete mich während des Rennens grässlich an,
rückblickend betrachtet war es wohl nicht soooo schlimm, hihi. Das ganze Start/Ziel!
Es ging nämlich IMMER gleich raus, immer gleich rein - und das Kilometerweise.
Schlechte Karten für MICH! Bei Wiederholungen habe ICH Motivationsprobleme,
die sich natürlich schlagartig aufs Pferd übertragen. Ca 8 km gleiche Strecke.
Raus der Autobahn entlang, rein endlose lange Traberei auf den Nebenstrassen von Bellinzona,
durch die Wohnquartiere und natürlich auf Teer! Als wir um ca 9 Uhr auf die gelbe Schlaufe gingen,
war es schon verdammt heiss. Diese Hitze! Und schwül war es! Es staute sich, denn wir ritten ja in der Talsohle,
fast auf Flusshöhe. Kein Lüftchen! Kouhnama atmete sehr schwer und sie wollte nicht so recht vorwärts,
weil wir alleine waren.
Bis ca km 15 ritten wir
mutterseelenallein, aber so hatten wir wenigstens unsere Ruhe.
Wir waren nicht top motiviert, doch niemand störte unseren Rhythmus. Dann war es vorbei mit Frieden.
An einem Groompoint trafen wir auf die Reiter der CH-Meisterschaft (internatonales Rennen über 148 km)
die von der roten Strecke zurück kamen. Von da an bis ins Ziel, verlief ihr Weg wie der unsere. Grässlich!
Natürlich ritten die wie die Verrückten und natürlich waren sie in der Talsohle fast kilometerweit immer wieder zu sehen.
Sie verschwanden und tauchten nach ein paar Kurven immer wieder im Blickfeld auf.
Von hinten überholten uns ständig weitere Reiter dieses CEI 140! Grrrrr!
Kein Frieden mit meinem Pferd. Sie ist fürchterlich ehrgeizig, möchte jedes Tempo mitgehen! Neinneinnein!
Dann mussten wir ein rechtes Stück weit im Fluss mit der Strömung reiten.
Vorne sah ich noch in Ufernähe ein paar Reiter, also wählte ich ungefähr die direkte Linie zu ihnen.
Weiss nicht wie uns geschah, plötzlich sackte mein Pferd vorne weg, tauchte mit dem Kopf bis zu den Augen unter Wasser.
Ich fühlte, es fehlte fast nichts zum kompletten Sturz ins Wasser. Natürlich riss ich am Zügel um ihr wieder hoch zu helfen,
natürlich verlagerte ich mein Gewicht so gut es ging nach hinten.
Sie riss mit gewaltiger Anstrengung die Vorderbeine aus dem Wasser, landete, und tauchte wieder,
immer wieder auch mit dem Kopf unter Wasser. Dreimal musste sie das machen,
immer ein klein wenig vorwärts laufend dabei, bis sie nicht mehr einbrach.
Als wir auf dem Geröll am Ufer angelangt waren, stieg ich ab und kontrollierte ihre Beine.
Sie zitterte wie Espenlaub, doch es war nichts zu sehen. Ich führte ein paar Schritte
und mit jedem Schritt auf diesen grossen Steinen kippte sie nach allen Seiten weg.
Ich konnte das kaum mit ansehen, also bin ich wieder aufgestiegen.
Ich kann sie sowieso besser beisammen halten vom Sattel aus.
Die Beanspruchung der Gelenke dabei war enorm! Dann kam eine lange Sandbank.
Kouhni wollte verzweifelt den beiden Reiterinnen hinterher, die uns nach unserem Fast-Salto
im Wasser überholt hatten. Aber sie schnaufte zu schwer, ich musste sie zurück halten.
Der Weg ins Ziel war schwer,
aber wir konnten uns auf der Teerstrasse durch Bellinzona mental wieder
sammeln und beruhigen. So einfache Wegstrecken haben halt auch was für sich, g*.
Im Vet-Gate konnten wir sie schon nach vier Minuten präsentieren.
Sie trabte locker flockig, sah immer noch bildschön aus. Der Ausdruck wach und helle.
Man sah schon sehr viele Pferde völlig ausgepumpt Rumstehen. Die Hitze war inzwischen gewaltig geworden.
Ich sass wie eine tote Fliege im Schatten, schon mit schmerzenden Schultern und Null Motivation
für die nächste Runde, die ich ja schon genau kannte. Mein Pferd in der prallen Sonne wollte nur eines, grasen!
Als wir weiter ritten, ging es nicht lange,
bis wir von einer weiteren Christine, einer Rennteilnehmerin des langen Rennens über 148 km,
eingeholt und überholt wurden. Da ging der Kampf mit Kouhni wieder los.
Ich konnte da nicht mit! Die Kadenz war wieder ein Mü schneller, als mein Pferd laufen kann.
Also wieder Kouhni beruhigen, die andere ziehen lassen. Langsam wurde es öde und ätzend.
Mich nervte das gewaltig. Keine Chance, jemals einen Rhythmus zu finden!!!
Denn Christine wurde ich nicht los, egal was ich machte. Liess ich mich zurückfallen,
traf ich sie wieder, weil sie sich verritten hatte. Wieder musste ich sie vor lassen,
wieder der Kampf mit Kouhni. Nächstes Mal holte ich sie ein, als sie ihr Pferd im Bach saufen liess.
Mensch, hörte das nie auf!!! Wieder Kampf. Diesmal schlimm, denn sie beeilte sich nun plötzlich nicht mehr,
und so sahen wir sie ständig vor uns.
Es kam noch schlimmer! Wir holten nun fast zu zweit Annemarie ein,
auch im langen Rennen gestartet. Sie hatte vor knapp zwei Monaten ihr Kind gekriegt und litt
unter Schmerzen
an den Brüsten - Brustentzündung! Ich überholte sie, galoppierte an, da entschloss sie sich,
doch mit mir zu kommen. Unnötig zu sagen, dass sie mir Kouhni wieder jagte?! Es war einfach nicht unser Tag, grrrrr.
Wir schlossen zu Christine auf. Die legte plötzlich wieder ihr Tempo vor, Annemarie ging mit und ich auch,
weil ich wusste, vorne kam ein Groompoint. Wollte die beiden dann laufen lassen.
Aber sie hatten es überhaupt nicht mehr eilig, also ritt ich weiter.
Ging nicht lange, hatten sie mich eingeholt, wollten bei mir bleiben.
Da wurde ich leicht energisch und sagte: "So nun geht doch schon endlich.
Euer Tempo passt für uns überhaupt nicht!!!" Ich musste Kouhni dann ein wenig grasen lassen um Abstand zu bekommen.
Ich war der Kämpferei überdrüssig, wollte partout nicht mehr auf diese beiden treffen.
Aus dem Bündnerland näherte sich eine graue Wand. Hinter mir stahlblauer Himmel und Sonne,
vor mir trüb und dunkelgrau. Und es kam schnell, sehr schnell!!!!
Fast wie wenn ich durch einen Vorhang reiten würde, waren wir plötzlich mitten im schlimmsten Regen.
Haha! Wir hatten gestöhnt wegen der Hitze und uns kühler gewünscht, aber gleich solchen Regen?
Nein danke. Das Wasser lief mir den Beinen nach runter in die Schuhe.
Innert Kürze stand es mir da bis zu den Knöcheln. In den Handschuhen sammelte es sich auch. Ich begann zu frieren, und wie.
Einzig meinem Pferd ging es schlagartig viel besser. Sie atmete freier, war wieder frisch und knackig,
hatte voll Zug drauf. Noch fast 20 km bis ins Ziel!!! Ein wenig grotesk war es dann,
als ich Nicole, eine unserer Betreuerinnen, mit zwei Kühlflaschen im Wald auf uns warten sah.
Ich brach in schallendes Gelächter aus und kühlte dann trotzdem. Kouhni schien es zu mögen.
Bis ins Ziel wurden wir dann (nach den Geländeschwierigkeiten die beim zweiten Mal noch schlimmer wirkten
als das erste Mal, weil wir doch langsam müde wurden) immer schneller.
Sie wollte heim, ich auch. Ganz witzig war es, als wir an einem Campingplatz vorbei kamen ...
sie zog da zielstrebig hin, quasi ... daaaaaa ist doch unser Lager, daaaa sind wir zu Hause, ... nicht???
Es sah wirklich ein wenig aus wie damals in Faido!!!
Im Ziel kam ein fieser Wind auf. Was tun? Es goss in Strömen, trotzdem schickte ich Nicole mit der Bucas weg.
Wir legten dann nur die schon nasse Satteldecke über die Kruppe (wegen dem Wind),
doch das trieb den Puls rauf. Da ich so rasch wie möglich zeigen wollte, nahm ich die Decke runter,
riskierte aber damit, dass mir mein nasses und erhitztes Pferd steif wurde.
Der Wind kühlte schnell und so wagten wir es nach knapp zehn Minuten Kouhni zu zeigen.
Puls 54 (60 erlaubt), grrr, wir hätten sogar noch eher ins Vet gekonnt.
Ich fand, sie trabte gut, wie immer, leicht steif, aber beidseitig gleich.
Einzig, sie trat (wie ja IMMER, das ist IHRE Gang-Eigenheit) rechts gelegentlich kürzer. Was kam?
Thriller, ohne geht es scheinbar bei Kouhnama nicht. Der TA verzog keine Miene,
liess uns in Wind und Regen stehen, untersuchte fertig und rief dann erst, ca vier Minuten später (!!!)
seine Kollegen. Inzwischen fror ich jämmerlich und auch Kouhni hatte sich zusammen gezogen.
Wir mussten auf dem Teer traben. Jammer, jammer, zeter,
wehe wenn das Pferd nun nach dem langen Rumstehen lahm ging!!! Als ich retour trabte,
blickten alle bedenklich, fürchterlich ernst. Oh nein!!!!!!!!!
Dann steckten sie die Köpfe zusammen und tuschelten. Schliesslich mit Leichenbitterermine,
ja ist gut, wir gratulieren. Warum konnte ich nicht jubeln, warum mich nicht überschwänglich freuen???
Mich nervt das ganze einmal mehr. In Zukunft bestehe ich bei der Eingangskontrolle darauf,
dass in der Checkkarte vermerkt wird, dass mein Pferd ca jeden dritten Schritt rechts kürzer tritt, von Anfang an,
das verändert sich nicht! Das ist und war immer so! Sie war eh nicht mehr sooo motiviert,
da erst recht schlurfte sie beim Vortraben am Schluss, bloss nicht noch eine Runde rausgeschickt werden, tsss.
Natürlich freuten wir uns dann trotzdem ... Meine Grooms führten Kouhni in den Stall und verwöhnten sie richtig,
ich ging Richtung Dusche. Da stand ich dann ca 15 Minuten unter dem heissen Strahl und danach ab ins Massenlager.
Die anderen drei kamen auch nach, duschten, und um ca 16 Uhr,
lagen wir alle völlig erledigt in unseren Schlafsäcken und schliefen bis 18 Uhr.
Geweckt wurden wir durch das Menschengeplapper auf dem Gang draussen, die Rennteilnehmer
des Internationalen Rittes/CH-Meisterschaft waren bei der Dopingprobe ...
Scheinbar hatte wer Mühe mit Wasser lassen, kicher. Tja, das Trinken ist eben auch ein zentrales Thema,
auch die Reiter trocknen gerne aus.
Einmal wach, machte ich mich erst mal mit Heisshunger über die Kühlbox her.
Dann zu Kouhni in den Stall. Daniela gab ihr zu fressen (die hatte denselben Heisshunger wie ich vorhin, ggg*
- kein Wunder, nachdem sie drei Tage mäklig gefressen hatte) und Marcel und ich gingen den Hänger packen,
da es gerade mal nicht regnete. Das Sattelzeug mussten wir draussen lassen, da man uns gesagt hatte,
berittene Siegerehrung auf dem Schloss, bei schönem Wetter.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch immer nicht, welchen Rang wir gemacht hatten,
es war mir erstmals auch völlig schnuppe. Kouhni war sehr gut gelaufen, sie hätte mehr gekonnt ... wenn ich ... naja.
Nicole hatte mir gesagt, von den elf Startern seien nur vier durchgekommen.
Nach mir noch Adri, und wer 1. und 2. gemacht hatte, fanden wir auch raus, also mussten wir wohl 3. geworden sein???
Na, wir würden es ja dann am Sonntag hören, hihi.
Glaubt es oder nicht:
Am Samstag legten wir uns um 23 Uhr bei Sturm und strömendem Regen ins Bett und
als wir um 7 Uhr den Vorhang aufzogen, begrüsste uns blauer Himmel und die Sonne.
Unglaublich! Juhuu, Kouhni und ich würden auf dem Schloss zur Siegerehrung antreten!!
Im Stall bemerkten wir, dass ihre linke Maulecke heiss, hart und geschwollen war. Schlimm!!!
Der TA meinte dann, gut salben und kein Gebiss rein. Na, ich machte es doch, denn auf den Fotos wollte ich nicht so läppisch mit Halfter da stehen. Ich ritt aber am Halfter hoch und das ging ganz gut.
Die Kulisse, das Wetter, die Ehrungen ... wo wir natürlich nur die Nebenrolle spielten, egal ...
Hauptakteure waren die Starter der CH-Meisterschaft. Es war sehr, sehr feierlich und eindrücklich.
Jagdhornbläser, Reden und Ansprachen ... und ein Gabentisch, ich dachte, mich tritt ein Elch.
Zu viert konnten wir kaum tragen, was wir alles bekamen! Einen wunderschönen Messingteller,
graviert mit den drei Schlössern von Bellinzona, dem Rang und der Prüfung ... Minichaps,
unzählige Pflegeprodukte, Gutscheine, Würfelis fürs Pferd ... Super!
So, das war's. Ich könnte noch viel mehr erzählen. Es sind gewaltige Eindrücke.
Alles liegt so nahe beieinander. Freude, Frust, Stolz, Ärger ... so wechselhaft wie das Wetter waren die
Stimmungen. Das Team mit den drei Grooms - einsame Spitze! Es funktionierte alles wie am Schnürchen.
Sie verstanden sich bestens, packten überall mit an. Keiner hat sich irgendwie abgekapselt, gestreikt,
auch wenn alle müden waren, haben sie ihren Teil gemacht.
Gerade mit dem nassen Wetter waren wir alle extrem gefordert, gab es einiges mehr an Aufwand als sonst.
Heute bin ich unglaublich erleichtert, dass wir gut und heil angekommen sind und ich bin sehr stolz darauf,
dass wir auch ein Jahr nach unserem Sieg in Faido wieder in den Rängen klassiert waren.
Will nicht dran denken, dass es wieder mal am seidenen Faden TA hing.
Für mich lief Kouhni Spitze, und die die sie kennen, sagten einstimmig, sie laufe immer so ...
nur zusätzlich beidseitig etwas steif, aber das darf sie ja auch nach 96 km in dem Gelände und dieser Witterung, nicht?
Schnitt haben wir noch 12.38 km/h gehabt, die Erstklassierte war ca 40 Minuten schneller ...
Kouhni und ich haben über eine halbe Stunde mit bremsen, kämpfen und groomen verloren ...
gelaufen sind wir annährend so schnell wie die Siegerin und ein zweiter Platz wäre im Rahmen des Möglichen gewesen, wenn ...
doch es ist gut wie es ist!! Wir haben auf jeden Fall sehr viel gelernt ...
Vor dem Ritt haben alle gesagt, das werde ein fürchterlich schnelles Rennen!!!
Jaja, war es auch, dann haben sich fast alle selbst "ausgeknockt" mit ihrer Raserei ...
manchmal ist es halt flach und man kann doch nicht auf tutti reiten,
gerade die Witterung machte dieses Rennen zu einer wirklichen Herausforderung.
Kouhni stand übrigens am Samstag Abend völlig aufmerksam und fit in ihrer Boxe,
keines der anderen Pferde konnte es darin mit ihr aufnehmen.
Sie hatte auf dem Ritt bis zuletzt noch scheuen können.
Vermutlich hätte sie wirklich noch ein wenig schneller gekonnt,
aber ich habe sie ja bewusst immer etwas unter der kritischen Grenze gehalten.
Dass mir das trotz der Kämpferei gelungen ist, darauf bin ich enorm stolz,
denn gerade das ist nicht einfach. Sie sah den ganzen Ritt über zu jeder Zeit immer hellwach aus,
man sah den Willen zu laufen. Nur kurzfristig im Ziel war ihr die ganze Motivation abhanden gekommen ...
wie mir auch, wegen dem ganzen Regen, bäh! Ich möchte diesen Ritt trotzdem nicht missen - und wer weiss?
Vielleicht, wenn es den Ritt im Jahr 2003 wieder gibt und wir alle gesund bleiben,
gehe ich dann mit einer 16 jährigen Kouhnama wieder an den Start?!
***
Kouhnis Maul heilte langsam ... wir ritten fast drei Wochen am kurzen Hackmore durch die Gegend.
Ausserdem bildete sich am einen Schienbein ein Überbein. Sie hat ja auch ein paar Schläge erwischt an den Beinen.
Die Therapie mit der Magnetfeldgamasche wirkte soso lala, solange es aktiv war.
Jetzt scheint es zu verknöchern ... ob es je wieder weggeht, bleibt abzuwarten.
Ich füttere Schüssler Salze und therapiere weiter. Zumindest so lange,
wie Kouhnama auf die Gamasche Reaktion zeigt. Lahm geht sie ja nicht und im Spital meinten sie,
es gebe keinen Grund zur Sorge. Ein Kratzer, ein Schlag kann halt so was auslösen ...
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