Liebe Steffi, erstmals vielen Dank für Deinen Bericht über den Dressuraraber und die
mega vielen schönen Föteli von Shachi und Dir!
Steffi: Gern geschehen! – ich hätte noch etwa 500 mehr ...
araber-online.ch: Mich fasziniert Deine Vielfältigkeit: Dressurreiten; Barock, Klassisch und Freiheitsdressur, Fahren, Westernreiten,
Show ... Gibt es etwas, was Du nicht mit Deinem El Shachad erreicht hast?
Steffi: Es gibt eigentlich nichts, was ich mit ihm machen wollte
und dann nicht funktioniert hat.
Vielleicht haben wir Teilziele nicht erreicht, aber ich sage nicht ohne Stolz, dass El Shachad - ausser Polo -
wohl in allen Pferdesportarten erfolgreich eingesetzt war/ist.
Seine ersten Turniererfahrungen hat er mit 4 Jahren auf dem Dressurviereck beim "Bocken von Buchstaben zu Buchstaben" gemacht.
Anschliessend ist er unter einer Freundin Military- und Springprüfungen gegangen.
Vor allem das Gelände hat ihm immer viel Freude gemacht.
In diese Zeit fällt auch sein einziger Start in einem Araber-Rennen in Meissenheim (BRD).
Er wurde guter Dritter, nachdem er am selben Tag sowohl eine Dressur als auch eine Fahrprüfung
absolviert hat.
Später ist das Distanzreiten dazu gekommen. An der HLP 1 (Hengstleistungsprüfung) mussten wir einen 40km Ritt absolvieren
und da hat uns der Virus "Distanzreiten" gepackt. Man kann einem Pferd aber nicht Militaryprüfungen und Distanzritte
gleichzeitig zumuten, darum haben wir das Distanzreiten auf die Zeit nach der Militarykarriere verschoben.
Unser Ziel war die Qualifikation zu schaffen und das haben wir geschafft.
Rennen wollte ich nie bestreiten, denn Shachi ist von seiner Dressurarbeit her für einen Renner falsch bemuskelt
(Werner Günthör läuft ja auch keinen Marathon ... ).
Das Fahren habe ich mit meinem Freibergerpflegepferd gelernt und gedacht,
es könnte für meinen Araber eine willkommene Abwechslung sein. Shachi hat
sehr gerne gezogen. Auch hier haben wir einige Prüfungen erfolgreich
absolviert. Nur stillstehen war nie sein Ding! Die Pause vor der Beiz musste
ich mir abschminken.
Mit dem Fahren habe ich aufgehört, weil die Bauern in meinem Fahrgebiet äusserst rücksichtslos sind. Es kam uns einmal ein hupender Güllewagen auf
einem Fahrweg entgegen als ob man sich mit einem Pferdewagen
in Luft auflösen könnte! Bevor ein Unfall geschah hab ich dann den Wagen
verkauft und mit
dem Erlös einen guten Westernsattel gekauft. Dann
haben wir Angefangen Western zu Üben.
Das Distanzreiten habe ich nach einem Gleichbeinbruch von Shachi aufgegeben.
Die Belastung auf der Strecke war mir einfach zu gross – und wir wollten ja nicht einfach nur "Mitreiten".
Heute, inzwischen 17 jährig, geht mein Brauner immer noch recht erfolgreich Dressur- und Westernprüfungen.
Die Showreiterei bzw die Freiheitsdressur sind Nebenprodukte die entstehen,
wenn man mit seinem Pferd und für sein Pferd lebt.
araber-online.ch: Und welche Disziplin machst Du am liebsten?
Steffi:
Im Dressursattel fühle ich mich immer noch am wohlsten. Mit Springen hatte
ich nie was am Hut – da ist die Tempokontrolle so schwierig ... Das
Westernreiten macht auch viel Spass. Allerdings sind die engen Verhältnisse
auf den Abreitplätzen bzw das "in der Reihe stehen" beim Horsemanship für
meinen Hengst immer noch ein Problem (Teilziel nicht erreicht ... ). Ich
kann mir gut vorstellen, dass ich Shachi, wenn er alt ist und nicht mehr
tragen kann, wieder vor einem Sulky fahren werde.
araber-online.ch: St. Georg, Intermédiare ... Auch schon geritten
und kannst Du noch kurz beschreiben, was das ist?
Steffi: Den schweren Dressurprüfungen hat man Namen statt Nummern gegeben.
St. Georg ist die "einfachste", dann kommt Intermédiare 1 + 2, anschliessend Grand Prix und Grand Prix Spécial.
Nein, geritten habe ich diese Programme noch nie. El Shachad beherrscht einzelne Lektionen daraus,
aber er kann zB keine Galopppirouetten (Teilziel nicht erreicht)
während er aber hervorragende Galoppwechsel zeigt und auch eine schöne Passage kann – wenn er will ...
Leistungen von El Shachad
(Adobe PDF Formular 20KB)
araber-online.ch: Wenn ich mit meinem Araber Dressurprüfungen starten will, wie komm ich zu den Ausschreibungen?
Steffi: Durch die Mitgliedschaft in einem Reitverein und damit verbunden in einem Regionalverband (PNW/ZKV/OKV)
bekommt man die entsprechenden Bulletins zugeschickt, da sind oft Ausschreibungen drin.
Dann gibt es das Concoursbulletin, welches alle lizenzierten ReiterInnen bekommen, da hat es viele Ausschreibungen.
Aber auch das Araber-Info (Verbandsorgan der SZAP) ist eine gute Quelle für Ausschreibungen oder mindestens Hinweise.
Als Letztes kann man sich auch mit seinem Trainer besprechen oder Leute fragen, die sich da schon etwas auskennen.
araber-online.ch: Wie bist Du zum Barockreiten gekommen und nimmst Du Reitstunden?
Ist Spanisch und Barock das Gleiche und was fasziniert Dich daran?
Steffi: Die Barocklehrmeister waren die Wegbereiter der modernen
Dressur. Eigentlich kommt kein Dressurfan daran vorbei. Die spanische
Reiterei ist eine Symbiose aus Arbeitsreiterei mit den Stieren und der
klassischen Dressur. Man findet also in einer spanischen Darbietung sowohl
klassische Dressurelemente, als auch Manöver, die man aus dem Westernreiten
kennt (Rollback, Stopp etc)
Reitstunden? Ich habe mit 14 Jahren von einem Wiener Bereiter, Herrn Potempa, meine ersten Dressurlektionen bekommen
(ganz klassisch und sehr streng!) ca 1 Jahr lang. Er hat später nochmals mit mir gearbeitet,
als El Shachad 4 Jahre alt war (ca 20*30 Min).
Es gibt ausser Herrn Potempa niemanden, der mich so stark beeinflusst hat.
Ich nahm auch an Vereinsreitstunden teil und habe einige Male die Araberkurse
im NPZ besucht.
Aber eigentlich bin ich eine Autodidaktin – try an error bis zum Erfolg!
Faszination? Verschiedene Sättel – verschiedene Einwirkung; verschiedene Kostüme, verschiedene Arbeit
mit immer dem gleichen Pferd. Da kommt keine Langeweile auf und bei einem Auftritt
kann man sich und andern eine Freude machen.
araber-online.ch: Und wie oft trainierst Du? Resp wie bringst Du all die vielen Disziplinen unter einen Hut?
Steffi: Training: El Shachad war bis im Frühling 2002 in einem Pensionsstall in einer Boxe (mit Weidegang im Sommer) eingestellt.
Das hat mich gezwungen, wirklich täglich mit ihm zu arbeiten – eben immer etwas anderes.
Ich überlege mir jedes Mal, wenn ich in den Sattel steige, was heute unser Ziel sein soll.
Aber das war eigentlich nie ein Krampf, es war auch viel Spiel. Shachi hat es gut verstanden mir zu sagen, wenn es ihm stinkt ...
Shachi liebt sein neues Leben bei mir am Haus und seinen Ponyfreund über alles.
Er wird heute nur noch etwa 3-4 Mal die Woche geritten und verbringt seine
Zeit mit Achim zusammen in einen grossen (200m2) Offenstall.
araber-online.ch: Wie hast Du Deinen Shachi gefunden?
Steffi: BAFRAN EL SHACHAD - SEINE GESCHICHTE
1985 Am 10. März ist er in Wimmis (Berner Oberland) geboren worden.
Sein Vater ist Bafran El Sharai, ein ausgezeichnetes Reit- und Schaupferd,
seine Mutter
die braune Libura. Züchterin: Ursula Stucki, Spiez.
1986 Im Juni wird er von mir erworben und erhält einen neuen Namen.
Aus "Bafran Ibn Libura" wird "Bafran El Shachad CH" (hebräisch "Gott hat geschenkt").
Bis 1988 bleibt er bei seiner Züchterin in Wimmis auf der Hengstweide und wächst in der Herde auf.
Sommer und Winter, bei Regen und Schnee ist er auf der Weide (Offenstall).
Schrammen und Blessuren zeugen von einer aktiven Teilnahme am Rangstreit.
Regelmässige Besuche (alle zwei Wochen) zum Putzen, Spazieren und Verwöhnen schaffen eine erste Beziehung.
1988 März: "Umzug" nach Allschwil (BL). Wir beginnen mit Bodenarbeit und reiten ihn langsam und schonend an.
November: Er besteht die Eignungsprüfung für CH-Reitpferde in Lausen.
1989 Beginn mit der Dressurausbildung, erste Starts in GA01 Prüfungen.
1990 Im Sommer beginnt Sandra Burkart mit der Spring- und Geländeausbildung von El Shachad.
September: Anerkennung als Zuchthengst für die Araberzucht (Frauenfeld).
November: Er besteht die Ausbildungsprüfung für CH-Reitpferde in Lausen.
1991 Januar/Februar: El Shachad wird eingefahren und geniesst die Abwechslung vor dem Wagen.
Vermehrt starten wir in R1-Springen und Military (Reiterin Sandra Burkart),
sowie an Dressur-, Distanz- und Fahrprüfungen mit mir.
September: Er besteht die Hengstleistungsprüfung 1 für Araber als Bester.
Oktober: Auch die Hengstleistungsprüfung 2 für Warmbluthengste in Avenches hat er, als erster und bisher einziger Vollblutaraber,
bestanden (mit den besten Fremdreiternoten des ganzen Warmblutlots!).
1992 Im Juni gewinnt er seine erste Military Kat. B auf dem Gelände der EMPFA.
Den ZKV-Military-Cup '92 beendet er im 7. Rang bei 85 Paaren in der Wertung.
Er gewinnt seine erste Dressurprüfung.
1993 Im Februar bekommt er, auf Grund seiner Leistungen ohne Vorstellung an einer Körung,
eine Spezialbewilligung zum Decken von Trakehnerstuten (deutsche Papiere).
In Meissenheim (BRD) gewinnt er das Fahrchampionat. Ausserdem absolviert er ein DRF 80 km in der Wertung.
Zum ersten Mal kann er sich für den ZKV- und den PNW-Dressurfinal qualifizieren.
1995 Dieses Jahr reicht es am Regionalfinal PNW in der Dressur aufs Treppchen:
Bronze in der Kategorie "ohne Lizenz".
1996 Unser Auftritt mit der Arabertruppe an der BEA Bern (Pferd 96) bereitet uns viel Freude – it's Showtime!
Das Jahresziel ist, die 3. Qualifikation für Distanzrennen zu schaffen:
92 km in einem Tempo über 12 km/h sind zu absolvieren. El Shachad schafft es!
Ausserdem bestehen wir die Dressurlizenz. Eine weitere Hürde ist genommen.
Erste Annäherungsversuche an die Westernreitweise werden unternommen.
1997 Unser schwierigstes Jahr! Bafran El Shachad bricht sich im Frühling auf der Weide ein Gleichbein hinten links.
Eine Operation ist unumgänglich. Doch der tapfere Kämpfer lässt sich nicht unterkriegen,
hält sich brav still solange es sein muss und arbeitet in der Rehabilitation ausgezeichnet mit.
Wir freuen uns über seine völlige Genesung. Ende Jahr absolviert er noch seinen 500. Distanzkilometer in der Wertung.
1998 In diesem Jahr können wir an der BEA Bern (Pferd 98) zeigen, dass Bafran El Shachad auch einige Zirkuslektionen
gelernt hat. Den letzte Distanzritt, ein EVG über 36 km, beendet El Shachad auf dem 3. Rang.
Um seinen Fuss zu schonen, wird er keine Distanzprüfungen mehr laufen.
Dafür soll die Westernreiterei mehr Gewicht bekommen.
2000 Endlich ist der Sprung in den Westernturniersport geschafft!
Dank seiner grossen Turniererfahrung ist es problemlos, den Anschluss zu finden und im Western Riding
gar die Qualifikation für die Schweizermeisterschaft zu schaffen.
Die Bronzemedaille im Open Western Riding ist zweifellos ein Höhepunkt in der vielseitigen Karriere von Bafran El Shachad.
Neben seinen Westerneinsätzen ist er aber auch in diesem Jahr erfolgreich englische Dressurprüfungen gegangen,
hat zwei Siege erkämpft und dazu den Titel "Best of the Year" Dressur 2000 der SZAP errungen.
Eine Einladung als Schaunummer (Freiheitsdressur) während einer bedeutenden Springkonkurrenz runden unser vielseitiges Jahr ab.
2002 Immer noch ist El Shachad im Dressur- und Westernsport aktiv.
Im August wird er zum ersten Mal an der Beständeschau gezeigt. Er erhält mit einer Note von 7.6 eine Goldmedaille
und wird höchst bewertetes, in der Schweiz gezogenes Pferd.
Bafran El Shachad war nie bei einem Profi im Beritt, einzig seine Fahrausbildung hat ein Profi besorgt.
Sein ausgezeichneter Charakter und seine aussergewöhnliche Lern- und Leistungsbereitschaft machen die Arbeit mit ihm zur
täglichen Freude. "Müssen" muss er gar nichts mehr. Wenn ihm eines Tages die Turnierambiente zuviel sein sollte,
geniessen wir die Natur oder spielen Zirkus zusammen.
araber-online.ch: Er ist mittlerweile auch schon 17 (zwar kein Alter für einen Vollblüter!).
Wie sieht eure Zukunft aus?
Hast Du schon einen "Nachfolger" in Planung?
Steffi: Nein, einen Nachfolger wird es erst geben, wenn Shachi tot ist.
Ich habe so viel mit ihm erlebt und er geht (immer noch) sehr gerne auf Turniere – da steht er im Mittelpunkt –
dass ich ihm nicht zumuten kann, meine Zeit und Kraft (ich arbeite ja noch 100%)
einem Jungen zu widmen und am Wochenende seinen Nachfolger in den Hänger zu führen.
Ich werde mit ihm noch so lange starten wie er Freude daran hat. Die
Platzierungen spielen mir dabei keine Rolle.
araber-online.ch: Shachi ist ein toller Hengst, gibt es von ihm Nachzucht?
Steffi: Ja. Er hat einige wenige Kinder – eigentlich zu wenige ...
araber-online.ch: Etwas zum weitersurfen: Links?
Steffi: Keine – vielleicht bekommt El Shachad mal eine eigene Homepage,
aber jetzt steht ja eigentlich schon alles auf araber-online.ch!
Haben Sie noch Fragen? Gerne stehe ich zur Verfügung!
araber-online.ch: Liebe Steffi nochmals vielen herzlichen Dank für Deine Arbeit! Jetzt muss ich
das Portrait Dressuraraber wohl in Allroundaraber umbenennen ...
Ich wünsche Dir und Shachi noch ganz, ganz tolle Stunden
im Sattel egal ob Dressur, Western oder Sulky!
|