der Araber im Sport:

 

 

was ist Military, Eventing, Concours Complet oder Vielseitigkeit?

was ist ein Militarypferd?

das Training

Prüfungen

Eigene Erfahrungen

Dank an Sabine Uschmann und Bahadur

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist Military, Eventing, Concours Complet oder Vielseitigkeit?

Military kommt vom Militär, wie schon der Namen sagt. Früher waren diese Prüfungen Querfeldein-Prüfungen, es wurde kilometerweit von A nach B geritten und es galt dabei die natürlichen Hindernisse (Hecken, Brücke, Wasser) so schnell wie möglich zu überwinden. Nach und nach wurde diese Prüfung dann zu ihrer heutigen Form verändert. Military gilt auch heute noch als Krone der Reiterei.

Die Prüfung setzt sich aus drei Disziplinen zusammen, Dressur, Gelände und das abschliessende Springen. Es gibt verschiedenste Arten dieser Prüfung. Kurzprüfungen wo alles an einem Tag absolviert wird in der Reihenfolge, Dressur, Springen, Gelände. Zweitagesprüfungen, da wird am ersten Tag die Dressur geritten, dann wahlweise Springen oder Gelände und die letzte Prüfung am zweiten Tag. Und dann die wirkliche Krone (wie ich finde), die Dreitagesprüfung. Meist wird am Vorabend das Pferd bereits vom Veterinär untersucht und freigegeben. Freitags findet dann die Dressur statt. Am Samstag das eigentliche Kernstück, Trabstrecke, Steeple, Trabstrecke, 10 Minuten Zwangspause und dann die Geländestrecke. Die Gesamtsrecke kann bis zu 20km lang sein, also eine echte Herausforderung an Pferd und Reiter. Im Gegensatz zum Distanzreiten, leisten wir hier extreme Ausdauerleistung in eher kurzer Zeit, auf kürzerer Distanz.

 

 

Was ist ein Militarypferd?

Ein Militarypferd muss sehr vielseitig sein. Mittlerweilen ist das Dressurniveau auch sehr hoch, sodass die Pferde elastische, raumgreifende Bewegungen zeigen sollen. Gerne wird ein lockeres, leicht gerittenes Pferd gesehen, hier wird vor allem die Durchlässigkeit der Pferde und deren Rittigkeit getestet. Sie müssen mutig zuspringen (Löwenherz!) und eine sehr gute Grundgaloppade besitzen um im Cross oder Steeple auch eine Chance zu haben. Das abschliessende Springen zeigt nochmals auf, wie elastisch und konditioniert die Pferde sind. Natürlich kann jedes Pferd eine einfache Prüfung laufen, ich denke, da ist es am verantwortungsbewussten Reiter zu spüren wie weit er mit seinem Pferd gehen kann ...

 

 

Das Training

Das Training ist Mittlerweilen sehr spezifisch, es kommt darauf an, welche Prüfungen letztendlich geritten werden müssen. Sicher ist überall, dass das Pferd korrekt an den Hilfen stehen muss, im Gelände einwandfrei vorwärts geht und zuspringt.

Prüfungen

Hier in der Schweiz gibt es verschiedenste Niveaus. Seit geraumer Zeit gibt es die so genannten Novice-Prüfungen sehr geeignet für den Einsteiger, sei dies Pferd oder Reiter. Sicherlich sind die Prüfungen Anfang Jahr leichter als gegen Ende Jahr. Und auch hier entscheidet der Reiter in vernünftigem Masse wie schnell er vorwärts geht. Wann er in das höhere Niveau steigt.

Schweizerisch gibt es folgende Prüfungen:

  • N = Novice (Anfänger)

  • B = Beginner (als Überleitung zur höheren Prüfung)

  • L = Leicht

  • M = Mittel

  • S = Schwer

Auf internationalem Niveau sieht das dann so aus:

  • CIC* = Vielseitigkeit ohne Steeple (Concours Complet International)

  • CCI* = mit Steeple

Es gibt * bis **** (Badminton) die Prüfungen sind schwerere L-Prüfungen die aber auch schon M-Elemente beinhalten können. Die Sterne bezeichnen mehr die technische Schwierigkeit als ein Endmass in Höhe und Breite. Je mehr Sterne, je anspruchsvoller der Kurs in technischen Belangen.

Die Schweizermeisterschaft Elite beispielsweise ist eine CIC**. Hier gibt es mittlerweilen auch ein Qualifikationssystem, dh um eine Stufe höher reiten zu können, muss man in der jeweiligen Unterstufe erst gewisse Qualifikationen erreichen. Dies dient der Sicherheit von Pferd und Reiter.

 

 

Eigene Erfahrungen

Ich reite schon seit einigen Jahren Military, und mein erstes Pferd war ebenfalls ein Shagya. Batan galoppierte mich durch einige Kurse. Allerdings hatte ich damals noch keine solche Ahnung wie ich es heute habe. Und heute muss ich doch noch innerlich lachen, wenn ich denke was ich damals alles "falsch" gemacht habe. Bei Bahadur merkte ich schnell, dass er sehr vielseitig und arbeitswillig war (ist), er verlangte viel Phantasie von mir. Und irgendwie sind wir dann ins Gelände gekommen. Anfangs war alles sehr harte Arbeit, denn durch einen ziemlich schlimmen Unfall hatte ich Angst vor dem Springen und nur durch viel Arbeit an mir selber (mentales Training, dass ich auch heute noch täglich absolviere) habe ich den Spass daran zurückgewonnen. Bahadur war von Anfang an sehr springfreudig und auch talentiert, sodass wir schon bald unsere erste Prüfung starten konnten. Wir haben auf Anhieb den zweiten Rang belegt. In den letzten Jahren haben wir uns langsam nach oben gearbeitet, haben in den B-Prüfungen begonnen und reiten heute auf internationalem Parkett in so genannten Einsternprüfungen mit (zB CCI* Grosswaltersdorf: 12. Rang bei 45 Startenden).

Hier ein kleiner Auszug wie unser Training in etwa aussieht, wenn ich mir als Jahresziel eine grosse Prüfung ausgesucht habe. Ich lege immer wieder sehr viel Wert auf abwechslungsreiche und fordernde Dressur. Bahadur beherrscht Lektionen bis Grand Prix Niveau dressurmässig. Dies erleichtert mir die tägliche Arbeit, weil er mit schwierigen Lektionen viel einfacher bei der Sache bleibt. Natürlich ist es dann nicht immer ganz einfach, "einfache" Dressurprogramme zu absolvieren, da Bahadur dauernd auf DIE Lektion wartet, oder selber eifrig vorausdenkt ... aber deswegen reite ich wohl einen Araber die denken mit! Manchmal mehr als einem lieb ist ...

Springmässig mache ich während der Saison nicht mehr viel. Ich bin Mitglied in einer Trainingsgemeinschaft, dort trainieren wir mindestens zweimal monatlich unter Aufsicht. Das lege ich jedem ans Herz, der sich für diese Disziplin entscheidet, trainiert nicht alleine, schon gar nicht das Springen! Immer unter Aufsicht, die Leute in der Mitte sehen meist mehr und können uns so wertvolle Tipps zum Aufbau geben. Mit dieser Gemeinschaft springen wir Parcours und auch im Gelände. Ab und zu lassen wir Bahadur auch Freispringen. Dazu stelle ich Cavalettis in die Bahn und den Rest erledigt Bahadur alleine. In aller Ruhe galoppiert er seine Runden und springt dabei die Hindernisse, es scheint ihm Spass zu machen.

Daneben bereite ich Bahadur mit einer Renntrainerin (Fränzi Aeschbacher von Nile Arabians) auf die Steeplestrecke vor. Die Pferde müssen an den Prüfungen ca. 1.5km - 2km in einem Tempo von mindestens 650 m/min galoppieren und dabei 5 - 7 Hecken (ca 1.20 m hoch) überwinden. Dh das Grundtempo muss schon höher sein, denn die Sprünge lassen uns immer an Geschwindigkeit verlieren. Auch hier zeigte Badu sein Talent und Können, canterte er doch mit glatten 850 m/min über die Rennbahn! Ein berauschendes Gefühl für uns beide!

Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Vielseitigkeitspferd ebenso vielseitig trainiert werden muss, am besten immer vom jeweiligen Spezialisten! Für Dressur, also eine Dressurtrainerin, Springen beim Springreiter, Gelände beim Buschreiter und Rennbahn bei einem Renntrainer....und genauso habe ich mir meine Trainer ausgesucht. So hilft mir jeder in der jeweiligen Disziplin zu Hochform aufzulaufen.

Dann ist natürlich das grundlegende Konditionstraining sehr wichtig. Bahadur geht während der Saison soviel wie möglich (bis zu 24 Stunden) auf der Weide, lebt in einem Offenlaufstall (mit seinen drei Ponyfreunden) die ihn immer wieder zu Bewegung animieren. Daneben trainiere ich mit meinem Mann, der Distanzen reitet, Bergtrab, Intervalltraining Galopp oder Trab, klettern und ewig lange Schrittausritte (da dankt es mir mein Hintern wenn wir mal ein bisschen traben ;-).

Natürlich spielt auch eine ausgewogene Fütterung eine grosse Rolle, denn wer grosses leisten soll muss auch entsprechend gefüttert und versorgt werden.

Zwischen den Prüfungen starte ich immer wieder an reinen Dressurprüfungen, Springprüfungen oder Distanzritten bis 60km. So kann ich mir ein optimales Jahresprogramm zusammenstellen, damit Bahadur jeweils zu den grossen Prüfungen topfit ist.

 

 


 

Vielen Dank Sabine Uschmann
für ihre flinke Feder! (ganzer Text) und die lässigen Bildli von Bahadur

viel Erfolg und eine Gute Saison mit Bahadur
besucht beide auf http://www.bahadur.ch