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Samstag 17. November 2001
6:00 Avenches
Alles Nötige für die Reise war schon bereit gerichtet, ich musste
nur noch helfen die Pferde zu bandagieren und einzuladen.
Ob das nur gut geht: Hengst und Stute nebeneinander im Hänger?! Vorsichtigerweise
wurde dem Hengst Bier an die Transporterwand gestrichen um vom Stutenduft
abzulenken. Ebenfalls wurde die Transportermittelwand so abgeändert,
dass die beiden Pferde keinen direkten Kontakt zueinander haben konnten.
Beide, der Hengst Ainhoa Tordidjo, liebevoll "Toro" genannt,
v Tornado de Syrah ad Ainhoa Kadidja (SP) ein dreijähriger Franzose
und Besitzer ist J.M. Valerio aus Frankreich, sowie die Stute Kbira du
Bac, genannt "Baci", v Royal de Carrere ad Raha de Malartic,
ebenfalls ein dreijähriger Franzosen-Araber, Besitzer Fam.
Bochsler Nuba-Arabians, liefen anstandslos in den Hänger und
wir (Franziska und Urs Aeschbacher und ich) konnten gleich losfahren.
Anfangs hat's im Hänger etwas gerumpelt, aber die Pferde haben sich
schnell an das Fahren gewöhnt.
8.15 Zoll Basel - Weil am Rhein

Nun mussten die Papiere von den Behörden abgestempelt werden, da
es der erste "Auslands-Ausflug" der beiden Pferde war, ging
das ganze Prozedere etwas länger. Carnet-Ata eröffnen, und von
den Schweizer- und Deutschen Behörden abstempeln lassen, Laufschein
ausfüllen, usw. Und leider reichte ein Stempel pro Formular nicht
... Nun ja, glücklicherweise war Samstag und die Schlange vor den
Schaltern nicht so lange.
Nach gut eineinhalb Stunden ging die Fahrt dann wieder weiter. Sie verlief
reibungslos, die Pferde verhielten sich ruhig und man kam zügig vorwärts.
Der Zollübertritt nach Holland, verlief ohne Bürokratie, EU
sei Dank.
16:00 Duindigt
Nach fast zwölf Stunden Fahrt und über 900 Kilometer haben wir
die Renn-Anlage in Duindigt auf Anhieb gefunden, wir konnten die Pferde
endlich ausladen und in den schönen grossen Boxen unterbringen. Sie
bekamen etwas Heu zum Fressen und danach einen guten dreiviertel Stündigen
Spaziergang. Später nach ihrer Ration Hafer haben dann auch wir eine
Unterkunft gesucht.
übrigens die
Flachrennbahn in Duindigt ist die einzige in ganz Holland und nur
wenige Autominuten von der Hauptstadt Den Haag entfernt. Geöffnet
ist sie vom März bis in den Dezember für Trab- und Galopprennen.
Auf dem ganzen Areal stehen über 200 Galopper und Traber!
Sonntag
18. November 2001
8:00 Stall Duindigt
Fütterung der Pferde und danach wieder etwas laufen. Sie haben die
Reise und die Nacht gut überstanden, keine aufgelaufenen Beine und
kein Anschein von Müdigkeit.
10:30
Ablaufen der Rennbahn. 1300m sind lang ... Sie war auf der Aussenbahn
etwas Nass, aber innen akzeptabel. Eigentlich müssten die Jockeys
die Bahn selber noch ablaufen, aber besser man macht sich als Trainer
(Franziska Aeschbacher,
Nile Arabians) selber ein Bild davon.
11:50
Auswägen der Jockeys. Gewichtsausgleich. Das heisst ältere und
gewinnreichere Pferde müssen mehr Gewicht tragen als junge und wenig
erfolgreiche.
Da Toro und Baci zum ersten Mal starteten bekamen also "Debütanten-Rabatt"
(siehe Ausgleich). Und Baci bekam zusätzlich
noch einen Stutenrabatt von einem Kilo.
Danach wurden die Pferde in der Boxe gesattelt (ob man dem Sattel nennen
kann?) welches sehr exakt gemacht werden musste. Wehe wenn ein Jockey
auf dem bisschen Nichts ins Rutschen kommt ...
In der Schweiz, Frankreich, Belgien und Holland dürfen die Rennpferde
schon im Stall gesattelt werden. In Deutschland und einigen anderen Ländern
dürfen sie jedoch erst auf dem Führring gesattelt werden.
Nach
dem Satteln wurde Baci wiederum geführt.
12:35
Eine viertel Stunde vor Rennstart ging's zum Führring. Hier wurden
die Pferde an der Hand vorgeführt und die Jockeys konnten aufsitzen.
Respektive sie wurden auf die Pferde gehoben. Ebenfalls erhalten die Jockeys
noch ihre letzte Anweisungen und dann geht's ab auf die Bahn.
Im Aufgalopp zur Startboxe.
12:50
Start Frei zum Katar-Preis über 1300 Meter. Baci (mit Jockey Anthony
Dean) kam als Letzte aus der Boxe. Nach zwei Galoppsprüngen Vollstopp!
(meist machen die Pferde an einem fremden Ort die gleichen Fehler wieder,
welche sie zu Hause einmal machten). Danach aber galoppierte sie weiter,
fand den Anschluss an die Pferde im Bogen wieder, hat sich durch die Meute
gekämpft und war Ende Bogen hinter den zwei Favoriten. Sie konnte
mit denen mithalten und hat 500 Meter vor dem Ziel, in den zweiten Gang
geschalten, hat die Lücke zwischen den Beiden ausgenützt, durch
und tschüss ...
"Leicht Gewonnen!!" Was für eine Freude!
Nach
dem Finish galt's dann die Pferde wieder einzufangen und mit denen zum
Absattelplatz zu gehen. Hier mussten die Jockeys sofort absatteln und
wieder auf die Waage stehen. Damit keiner mogeln konnte.
Danach gab's noch ein Siegerfoto und einen Blumenstrauss (keine Tulpen
...).
Nach ein paar Minuten konnte Baci wieder geführt werden, denn auch
sie musste wieder zu Atem kommen und sich der Puls normalisieren.
13:50
Das ganze Prozedere dann nochmals mit Toro. Nur im Gegensatz das er seine
Hengstmanieren zeigte und im Führring stieg und tobte, so dass man
den Jockey (Kevin Davies) fasst Zwingen musste aufzusitzen.
14:20
Der Start zweiten Katar-Preis, auch über 1300 Meter, verlief für
Toro reibungsfrei. Er kam als Vierter aus der Startboxe und als Dritter
durchs Ziel!
Was für eine Leistung von beiden Pferden, beide als Greenhorns am
Start, beide die jüngsten unter fünf bis sieben jährigen
Arabern, und solch einen gute Leistung! Gratulation den Pferden und der
Trainerin!
16:00
Einladen der Pferde und Abfahrt zurück in die Schweiz. Eigentlich
wäre ich gerne länger geblieben, denn in Holland waren die Temperaturen
gute zehn Grad höher als in der Schweiz.
Montag 19. November 2001

01:30
Zollübergang in Basel, ein Stempel und weiterfahren.
03:00
Nach elf Stunden Fahrt haben die Pferde ihr Zuhause wieder gut erreicht.
Man musste nur noch kurz die Bandagen wegnehmen und die Beine mit Lehm
einstreichen. In den folgenden Tagen wurden die Pferde nur geführt
und sie konnten den Weidegang geniessen. Sicher freuten sie sich auf die
verdiente Winterpause.
Sie fragen sich sicher warum eigentlich der weite Weg nach Holland?
Geplant war ein Trainings-Start in Deutschland, die aber haben kurzfristig
das Rennen von International auf National umgeschrieben, wohl aus Angst
... Da die beiden Pferde vor ihrem vierten Lebensjahr aber einmal Starten
sollten (damit sie nicht nächstes Jahr unter 4-jährigen, schon
gelaufenen Pferden, als einzige noch keine Routine hatten) gab's leider
nur die Alternative Wien oder Duindigt.
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