Liebe Nina, vielen Dank erstmals für Deine Mitgestaltung an dieser Seite, für die geopferte Zeit, Text, die tollen Fotos und für dieses Interview.
araber-online.ch:
Als "Englisch-Reiter", so wie ich mich bezeichne, habe ich gar nicht gewusst, dass es so viele verschiedene Disziplinen
im Westernreiten gibt, das Western Pferd so vielseitig geritten werden kann.
In den Westernfilmen sieht man wohl eben nur einen kleinen Teil davon ...
araber-online.ch: Nina wie lange reitest Du schon Western, wie hast Du angefangen und warum bist Du umgestiegen?
Nina:
Ich habe als Kind angefangen englisch zu reiten. Als ich mir dann nach der Lehre das erste eigene Pferd leisten konnte
bin ich auf die Westernreitweise umgestiegen. Mittlerweile reite ich seit zehn Jahren Western.
Der Grund für die Umstellung war, dass ich damals ein ziemlich faules Pferd ritt und bald des ständigen Treibens müde wurde.
Da ich schon einige Westernturniere besucht hatte, dachte ich das wäre viel gemütlicher ...
Ich musste jedoch schnell lernen, dass das Westernreiten nicht nur "easy" ist,
sondern sehr viel Training dahinter steckt bis man diese lässige Eleganz erreicht.
araber-online.ch: Wie
lange hast Du Deinen El Omar schon? War es Liebe auf den ersten Blick?
Nina:
El Omar besitze ich nun schon seit zehn Jahren - er ist mein erstes eigenes Pferd.
Und ja es war wohl schon "Liebe auf den ersten Blick", denn beim Probereiten war er gar nicht so überzeugend,
er hatte Angst vor dem fremden Reiter (=vor mir) der Hilfen gibt die er nicht kennt ... typisch Omar!
Und er hatte bei unserem ersten Treffen ein ziemlich grosses Horn am Kopf, verpasst von einem Esel ...
Absolut typisch für meinen Bubi!
araber-online.ch: hast Du ihn selber eingeritten?
Nina: Nein, er war drei Monate in der Grundausbildung in Deutschland. Ich kaufte ihn als er fünfjährig war.
araber-online.ch: wer bildet in der Schweiz Westernaraber aus?
Nina: Beinahe jeder Westerntrainer, nur muss man sich in der Szene etwas auskennen, damit man einen Profi beauftragen kann.
(Auf der Homepage von SWRA und
SQHA gibt es Trainerlisten).
araber-online.ch: wie verläuft eine Western Ausbildung?
Nina:
Wie wohl bei jeder Ausbildung wird am Boden begonnen, mit Bodenarbeit und Longieren.
Die Dauer hängt vom Pferd, vom Trainer/Reiter und auch vom Budget des Besitzers ab.
Was nach der Grundausbildung gelernt wird, richtet sich nach dem künftigen Verwendungszweck des Pferdes.
Wir sind nun schon zehn Jahre in der "Ausbildung" und lernen doch jeden Tag wieder was neues dazu.
araber-online.ch: wie oft trainierst Du heute?
Nina: Da Omar im Offenstall wohnt und sich Tag und Nach frei bewegen kann, reite ich ihn nur jeden zweiten Tag.
Da ich etwas ein Trainingsmuffel bin, trainieren wir höchstens ein Mal pro Woche, den Rest gehen wir ins Gelände,
wobei wir auch dort gymnastikzierende Übungen durchführen. So habe ich im Training immer ein
top motiviertes Pferd,
welches auch noch mit 15 Jahren den Willen hat, noch besser zu werden!
araber-online.ch: Trainierst Du speziell auf ein Turnier?
Nina:
Ja, wenn ein Turnier bevorsteht, trainiere ich die zwei Wochen davor intensiver, dh mehr auf dem Reitplatz,
dafür etwas weniger im Gelände.
araber-online.ch: seit wann und wie oft reitest Du Westernturniere?
Nina:
Unser erstes richtiges Westernturnier sind wir im Jahr 1997 gestartet, wo wir zu meiner grossen Überraschung sogar klassiert wurden.
Vorher haben wir viele Gymkhanas und Patrouillenritte absolviert.
Ich muss mich manchmal etwas überwinden, an ein Turnier zu gehen, daher starte ich eigentlich relativ wenig.
Letztes Jahr waren wir an vier Turnieren.
Denke diese Saison wird wohl ähnlich, denn die Turniere kosten viel Zeit, Geld, bringen oft sehr lange Anreisewege mit sich,
Helfer akquirieren etc.
Aber die Turniere bereiten mir auch sehr viel Freude, man trifft gute Freunde wieder, macht neue Bekanntschaften
und natürlich dienen sie der Trainingskontrolle, des Trainingfortschrittes und Erfolges.
araber-online.ch: welches ist Dein grösster Erfolg?
Nina:
1999: wurde ich Reserve All Around Champion in Baden-Baden (unser erster und bisher einziger Auslandstart)
Mai 2001: 1. Rang beim Araber Trail in Fehraltorf (sogar Quarter-Reiter lobten unseren sauberen Ritt)
August 2001: 2. Rang beim SWRA Amateur Reining Eiken
(ein 18-köpfiges Teilnehmerfeld, gespickt mit starken Quarters.
Und das ganze fand um 21.00 Uhr statt, nachdem wir schon den ganzen Tag etliche Starts absolviert hatten ...)
araber-online.ch: welche Disziplin reitest Du am liebsten?
Nina:
Eindeutig Reining, dies macht auch Omar am meisten Spass! Danach kommen unsere "neuen" Disziplinen,
Superhorse und Western Riding sowie Horsemanship.
Pleasure ist eindeutig unsere "muss" Disziplin!
araber-online.ch: gibt es bei den Turnieren auch verschiedene Schwierigkeitsstufen so wie zB beim Springen V0/V1, ..., R-Prüfungen?
Nina:
Es gibt fünf Stufen, und bei Turnieren vielen Startern innerhalb noch die Einteilung in Junior- und Senior-Horses:
Einsteiger = für Turnierneulinge
Limited Amateure = für solche mit guten Resultaten in den Einsteigerprüfungen
Amateure = wer über das Niveau von Einsteiger und Limited hinaus ist oder für Hengst
Reiter
Open = für Profis
Youth = Jugendliche bis und mit 18 Jahre
araber-online.ch: was gibt es für Qualifikationen, Meisterschaften?
Nina:
Die Westernszene ist nicht so gross wie zB die Springszene in der Schweiz.
Daher kommen an die Westernturniere Reiter aus der ganzen Schweiz, es keine regionalen Turniere.
Wenn man das ganze Jahr über gute Leistungen zeigt, kann man sich damit für die Teilnahme an der Schweizermeisterschaft
im Herbst qualifizieren.
Dieses Jahr ist Reining an den World Equestrian Games in Jerez (Spanien) vertreten.
Und auch die Schweiz entsendet ein tolles Team! Für das Nationenteam konnten sich die Reiter im vergangen Jahr
an verschiedenen Turnieren qualifizieren.
araber-online.ch: gibt es genügend Westernturniere in der Schweiz? und sind diese gut besucht?
Nina:
Ja, mittlerweile gibt es viele Turniere und die Felder werden jedes Jahr grösser.
2001 wurde extra die Klasse "Limited Amateur" eingeführt, weil die Amateurfelder so riesig wurden.
araber-online.ch: wie läuft so ein Turniertag ab?
Nina:
Vortag: Packen, Zubehör putzen, Anreisen und dabei versuchen den Helfer zu motivieren, allen Hallo sagen, Startnummern abholen,
Box beziehen, Hotel einchecken, Abreiten und dabei jammern, dass das Pferd wohl morgen nicht gut gehen werde,
Essen, nochmals Stallkontrolle und hoffentlich gut schlafen
Turniertag: sehr früh aufstehen und kaum einen Bissen runter bringen, Pferd füttern, Pattern (=Parcours) abholen und lernen,
Pferd putzen und satteln, abreiten, starten, warten, starten, warten ev. grasen lassen, starten etc.
Wenn alle Prüfungen durch sind Pferd versorgen, alles wieder einladen, Box abgeben, nach Hause fahren, alles ausladen und verräumen,
todmüde ins Bett sinken.
Am nächsten Tag: allen erzählen wie toll es nun doch war und was für ein super Pferd man doch hat, trotz allen Strapazen!
araber-online.ch: Wie sieht es aus mit der Chancengleichheit von Araber
und Quarter-Horse?
Nina:
Bei SWRA Turnieren, welche Rassenoffen sind, bin ich der Meinung, dass alle Pferde vom Richter gleich behandelt werden.
Ein guter Araber hat zB im Trail, Western Riding, Superhorse, Horsemanship (wobei dort in erster Linie der Reiter bewertet wird)
oder Pleasure gute Chancen vorne mitzumischen.
Im Reining muss er schon gut stoppen und spinnen können um auch dort ganz nach vorne zu gelangen.
Da ist es schon sehr schwierig die Quarters, welche ja nur zu diesem Zweck gezüchtet wurden, zu schlagen.
Aber da Araber sehr flinke Wechsler sind, gehören sie dafür zu heissen Favoriten bei Galoppwechselprüfungen.
araber-online.ch: Wie sieht es aus mit den Kleidervorschriften?
Nina:
Ja, die gib es.
Vorgeschrieben ist der Westernhut, Westernstiefel, Hemd (wobei dies auch bei grösster Hitze langärmlig und zugeknöpft sein muss!)
oder für Damen auch ein Jäcklein oder Sleezy mit Weste.
Die Wahl der Farben ist dem Reiter überlassen,
so kann man sich trotz Vorschriften ganz individuell und passend zum Pferd ausstaffieren.
araber-online.ch: zum Thema Westernsattel?
Nina:
Der Westernsattel verteilt das Gewicht über seine ganze Auflagefläche, was für das Pferde viel angenehmer ist,
vor allem auch für längere Ritte. Die modernen Sättel sind oft mit einem Kunststoffbaum ausgestattet und dadurch leichter.
Jedoch spielen diese paar Kilos mehr oder weniger dem Pferd wohl keine so grosse Rolle, denn es gibt ja auch unterschiedlich schwere Reiter ...
Die Turniersättel sind oft reich punziert (=Einstanzungen im Leder) und mit Silber oder auch Gold verziert,
dies in der Hoffnung, dem Richter ja aufzufallen (va im Pleasure).
Und der zweite hintere Gurt wird eigentlich kaum benötigt.
Falls Du mal ein Kalb mit dem Lasso einfangen möchtest, welches Du dann am Horn fixierst oder ganz,
ganz steil den Berg runter reitest (ich steige da zwar immer ab) dann würde dieser Gurt verhindern,
dass der Sattel hinten zu hoch gehoben wird.
araber-online.ch: und die "Exoten"-Trensen: Side Pull, Snaffle Bit, Bosal, ... ?
Nina:
Side Pull und Snaffle Bit sind vorallem für junge Pferde in der Ausbildung, jedoch schadet es auch einem ausgebildeten Pferd nicht, ab und zu wieder auf diese Trensen zurückzugehen.
Side Pull und Bosal eignen sich auch für zahnende Pferde, welchen in dieser Zeit das Gebiss im Mund unangenehm sein kann.
Bis fünfjährig darf man die Pferde am Turnier zweihändig reiten, dh mit Snaffle-Bit oder Bosal.
Danach ist nur noch das Bit erlaubt, welches Einhändig gehandhabt wird.
An Showvorführungen bin ich schon oft auf das unschöne, rostende Bit meines Pferdes angesprochen worden.
Dieses verwende ich jedoch aus dem Grund, weil diese rostenden Trensen aus Sweet Iron gefertigt sind und diese einen
süsslichen Geschmack haben, welcher den meisten Pferde sehr angenehm ist.
araber-online.ch: bin schon ganz gwundrig geworden: welchen Westernhof kannst Du empfehlen für einen Proberitt?
Nina:
Es gibt mittlerweile viele gute Westernställe in der Schweiz.
Meine Trainerin, Marie-Therese Bretscher
www.ride-and-slide.ch, kann ich jedenfalls wärmstens empfehlen!
Für ein Probestunde wäre eine Stall mit Schulpferden von Vorteil.
Und auf den Homepages von SWRA und SQHA gibt es Trainerlisten.
Wer möchte kann
mich
auch jederzeit anfragen für eine geeignete Adresse in seiner Nähe.
araber-online.ch: und noch was zum Weitersufen?
Nina: schaut mal vorbei bei:
www.nrha.ch,
www.spha.ch,
www.sqha.ch,
www.swra.ch,
www.szap.ch und
www.westerner.ch
araber-online.ch: Nina vielen Dank nochmals für Deine Arbeit, viel Erfolg in diesem Jahr
und viele schöne Stunden auf El Omar.
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