Geschichtlicher Abriss der ägyptischen Araberzucht

Blue List und Blue Star Araber

der Ägyptische Araber-Typ

Fotogalerie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beduine mit seinem PferdGeschichtlicher Abriss der ägyptischen Araberzucht

Die Schönheit, Grazie und Ausdauer des Ägyptischen Arabers ist bei Pferdezüchtern aus aller Welt begehrt. Schon 1580 vor Christus wurden Pferde bereits auf Grabzeichnungen und Inschriften über die Vertreibung der Hyksos erwähnt. Der Militäreinsatz der Vierbeiner begann im Neuen Reich unter Thutmosis III (1504 bis 1450 vor Christus). Und Ramses II (1279 bis 1212 vor Christus) verdankte in der Schlacht gegen die Hethiter seinen geliebten Streitrössern sogar sein Leben. Er dankte seinen tapferen Gefährten: "Fortan soll ihnen ihr Futter vor mir gegeben werden; jeden Tag in meinem Palast."

Nachdem 525 vor Christus das Ägyptische Reich zerbrach wurden Ägyptischen Araber-Pferde im Nil-Tal weiter in den persönlichen Armeen und Leibwachen der Kalifen und Sultane genutzt und geschätzt. Die Mameluken-Sultane besassen hunderte bestens ausgebildeter Araber. Naser Mohamed Ibn Kaloun soll an nur einem Tag mehr als eine Million Drachmas (1000 Drachma = 4,2 kg Gold) für den Kauf von Pferden ausgegeben haben. Und vom Pferdeliebhaber Sultan Barquq wird berichtet, dass er über 7000 reine Araber-Stuten aufzog.

der Wüsten AraberIn der westlichen Welt waren Araberpferde bis Anfang 1800 nahezu unbekannt. Erst Mohamed Ali und sein Sohn Ibrahim Pasha lüfteten das Geheimnis. Sie waren von der Schönheit und Eleganz dieser Tiere fasziniert, holten ausgewählte Pferde von der arabischen Halbinsel in die königlich-ägyptischen Ställe. In Ali Pashas luxuriösem Palast in Kairo logierten bald über 1100 Araber-Pferde, die er stolz der staunenden westlichen Welt präsentierte. Mohamed Ali begann mit rund 200 Hengsten und Stuten seine eigene Zucht, und übertrug seinem Enkel und Pferdemann Abbas Pasha die Verantwortung.

Als Abbas Pasha 1848 mit 35 Jahren zum Vize-Regenten aufstieg, kaufte er noch mehr Araberpferde. In seinem Wüstengestüt gelang es ihm, Pferde mit dem reinsten Blut ausserhalb der arabischen Halbinsel zu züchten. Er studierte und dokumentierte die Familiengeschichten der Tiere und entlockte den Wüsten-Beduinen die von den Clans sorgfältig gehüteten, nur mündlich überlieferten Geheimnisse der Abstammung. Abbas "Ägypter" erwarben sich schnell einen legendären Ruf. Man sagte: "Seine Pferde wetteifern mit denen König Solimans."

Jedoch nach seinem Tod 1854, wurde das Gestüt aufgelost und die Pferde wurden auf einer öffentlichen Auktion verkauft.

König Victor Immanuel brachte einige nach Italien, die wertvollsten aber blieben in Kairo beim Pferde-Liebhaber Ali Pasha Sherif, der sich für den Erhalt der reinen ägyptischen Linie einsetzte. Als auch seine Farm aufgelöst wurde, gingen viele Tiere in den Besitz der englischen Züchter-Familie Blunt über, einige kamen auf ihr Crabbet Gestüt in England einige nach Sheykh Obeyd. Die meisten aber blieben in den königlichen Familien Ägyptens.

der Wüsten AraberZu den neuen Besitzer zählten auch die Prinzen Ahmed Kamal, Yousef Kamal und Kamal El Din Hussein. Für den Fortbestand der reinen Blutlinie setzten sich nun vor allem Prinz Mohamed Ali und der Khedive Abbas Hilmi II ein.

Aber auch die Regierung kümmerte sich um den Fortbestand der Zucht. So gründete man 1892 unter der Leitung von Prinz Omar Tousson die "Pferde Kommission", 1898 die königliche Landwirtschafts-Gesellschaft heute E.A.O. - Egyptian Agricultural Organization. Die E.A.O. achtet, dass in erster Linie die klassische Form des Pferdes, das Schönheitsideal der alten Rasse erhalten bleibt und die besten Eigenschaften der Hengste und Stuten vererbt werden. Perfektion in Sachen Schönheit und Charakter ist das oberste Ziel.

Die besten Nachkommen der Pferde von Abbas und Ali Sherif wurden also in die Ställe der Bahteem Farm, Vorläufer von Al Zahraa, zurückgeholt. Als Zuchtbasis dienten sechzehn Stuten der Gestüte Crabbet und Sheykh Obeyd sowie Pferde der ägyptischen Prinzen. 1928 siedelten die kostbaren Pferde in ihr neues Domizil um: In der Wüste von Heliopolis, der antiken "Stadt der Sonne", etablierte sich das staatliche Gestüt "Al Zahraa Stud Farm". Das überdauern der erfolgreichen ägyptischen Blutlinien war nun endlich gesichert.

Heute gibt es ungefähr 350 Pferde in EL Zahraa und die verschiedenen ursprünglichen Familien sind vertreten: Kohailan - Saklawi - Hadban - Dahman - Obeyan.

Im Jahr 1970 gründeten Ägypten, Deutschland, England, Frankreich und die USA die WAHO (World Arabian Horse Organization), bei der alle reinrassigen Araber registriert werden. Mittlerweile gehören 68 Länder zu den Mitgliedern und alle eingetragenen Pferde sind äusserlich zu erkennen: sie tragen eine Nummern-Tätowierung am oberen Hals.

Jeder registrierte ägyptische Araber hat seinen Stammbaum, Papiere und Dokumente. "Es sind die reinsten Araber-Pferde der Welt. Die Pedigrees können über 300 Jahre zurückverfolget werden. Zum Teil bis ins 13. und 14. Jahrhundert."

der Jahrhunderthengst NazeerDer Hengst Nazeer

Der Jahrhunderthengst Nazeer RAS (Mansour RAS x Bint Samiha RAS) wurde 1934 im Gestüt von Kafr Farouk der ägyptischen königlichen landwirtschaftlichen Gesellschaft geboren. Seinen Name Nazeer kommt von Noseir, welches für "Blicke auf sich ziehen" steht.

Im Jahre 1937 entdeckte ihn Sheikh Abdel EL Sabek, welcher begeistert war von seinen Beinen, seiner tiefen Brust und seiner Hinterhand. Er trainierte ihn und im Laufe der folgenden vier Jahre wurde Nazeer in Ägypten auf der Rennbahn eingesetzt. Er stellte einen neuen Rekord auf: 4-6-1-4, in 20 Rennen gewann er viermal, sechs Mal wurde er Zweiter, einmal Dritter und vier Mal war er viertplatzert.

der Jahrhunderthengst NazeerMit sieben Jahren kam Nazeer zurück nach Kafr Farouk wo er in der Zucht eingesetzt werden sollte. Zur gleichen Zeit standen jedoch noch weitere Hengste im Deckeinsatz: sein Vater Mansour RAS, Ibn Rabdan RAS, Shahloul RAS, Ibn Samhan RAS, Équilibre RAS und Cheik El Arab RAS. Nazeer stand bis nach dem zweiten Weltkrieg im Schatten seiner Konkurrenten. Erst als die RAS den ungarnischen General Tibor von Pettko Szandtner einstellte erkannte dieser das Potential von Nazeer (1949).

Nazeers Nachzucht ging in alle Welt: Hadban Enzahi und Ghazal wurden anch Deutschland verkauft. Aswan in die Sowjetunion, Rashad Ibn Nazeer, El Nefous (von Bint Moniet), Ansata Ibn Halima, Morafic, Ramses Fayek, Fayel El Saghira und viele weitere sind in die USA verkauft worden.

Nazeer starb am 7. Juni 1960 im Alter von 26 Jahren. Er hinterliess ein Erbe von 57 Hengsten und 43 Stuten.

Auszug aus www.straightegyptians.com:
Wohlwissende Fachleute fürchteten um einen Kollaps der ägyptischen Zucht durch die ständige Verwendung von Nazeer-Nachkommen und glaubten an die Notwendigkeit, Nazeer-fremde Elemente einführen zu müssen. Sie hätten besser wissen müssen, dass viele Pferdefamilien in hohem Grade inzuchtresistent sind, nicht nur in der arabischen Pferdepopulation.

Anter Sohn GharibAndere dachten praktischer. Bei so viel "Nazeer" müsste kommerziell eine Nazeer-freie Neuauflage ägyptischer Zucht attraktiv sein. Von beiden Seiten kam der gleiche Druck, und mit Rücksicht auf Verkaufschancen gab man nach. Hengste, die zur zweiten Gruppe zu rechnen sind, übernahmen massgeblich die Rolle der Hauptbeschäler. Sameh und seine Nachkommen Sultan, Assad und Aseel waren die einen, Anter mit seinen Söhnen und Enkeln, wie Wahag, Hafid Anter, Gharib die anderen. Schliesslich Akhtal und Mourad, der eine ein Amrulla-, der andere ein Gassir-Sohn als die weiteren. Sie erschienen nun in den Pedigrees als Vatertiere und verwiesen die Nazeer-Anteile auf die zweiten und dritten Plätze.

Heute ist ein Umdenken im vollen Gange. Nazeer-verwandte Hengste und Stuten erhalten wiederum Priorität. Die Zuchtleitung der neunziger Jahre geht zurück in die Spuren, die einst El Zahraa zum Erfolg führten. Die Nazeer-freien Hengste im europäischen und amerikanischen Ausland haben inzwischen längst ihren Glanz verloren. Der Typ, für den Ägypten bis heute bekannt blieb und der in den alten fünf Stuten und danach in Nazeer und seinen Söhnen und Töchtern gipfelte, ist wieder entdeckt worden ...

 

Blue List und Blue Star Araber

Blue List
1952 begann Miss Jane Llewellyn Ott mit einer Auflistung von Pferden welche in ihrem Pedigree nur Pferde beinhalteten welche direkt auf Beduinischen Wüstenaraber zurückzuführen sind. Es entstand daraus 1961, der "Blue Arabian Horse Catalog" und erst in den frühen Siebzieger Jahren beendete Miss Ott ihre Arbeit. Die Organisation Al Khamsa (Nord Amerika) wurde gegründet um ihre Arbeit weiterzuführen. Al Khamsa anerkennt auch einige Pferde welche nicht im "Blue Catalog" aufgeführt sind: Pferde welche direkt und in jeder Linie, auf Pferde zurückgehen welche von den Beduinischen Wüstenstämmen stammen sowie auf vereinzelte Pferde von Abbas Pashas Zucht und der Crabbet Zucht von Lady Anne Blunt.

Der Bestand von Blue Arabern soll auf der gesamten Halbinsel Arabiens etwa 300, in der übrigen Welt etwa 70 Pferde betragen.

Der Ausdruck "Blue List" und "Al Khamsa" steht für einen reingezüchteten Araber.
Der Ausdruck "Asil" kommt von der Deutschen Organisation mit dem gleichen Zuchtziel.

Blue Star
Der "Blue Catalog" ist geteilt in zwei Untergruppen: Blue Star und Blue List. Der Hintergrund beider ist derselbe, ausser dass der Blue Star Araber keine Pferde der Mu'niqi Linie im Pedigree haben, während der Blue List Araber einige wenige aus frühen Einzuchten aufweisen kann. Die Pferde Fadl und Maaroufa sind Blue Star sowie Turfa (1933) sowie zwei weitere Sheykh Obeyd Araber: Sirecho und Nasr.

Warum die Mu'niqi Linie?
In den früheren Jahren wurde die Mu'niqi Linie gleichwertig den anderen klassischen Linien in Saudi Arabien angesehen. Sie war eine der fünf reinen beduinischen Linien. Europäische Reisende schrieben jedoch vor ca 300 Jahren von einer weniger klassischen Salqa Beduinen Zucht genannt die Mu'niqi Linie, welche sich entwickelte aus Muniqiyat Stuten mit Turkmenischen Hengsten. Und Carl Raswan selber schrieb eingehend über diese Cross-Zucht welche grössere und längere Pferde hervorbrachte, Pferde mit weniger Typ dafür mit mehr Geschwindigkeit. Aber es gibt auch Zweifel an dieser Legende, denn es gab inmitten Saudi Arabiens Stämme welche ihre asilen Mu'niqiyat Pferde nie mit einem Turkmenischen gekreuzt hätten.

Die Ausdrücke Blue Star und Blue List sind mit dem Copyright geschützt und im Besitze von Miss Jane Llewellyn Ott. Nur Pferde welche im "Blue Arabian Horse Catalog" aufgelistet sind sind entweder Blue Star oder Blue List. Alle Nachkommen dieser Pferde haben Blue Star oder Blue List berechtigt.

 

Schönheit, Grazie und EleganzDer Ägyptische Araber-Typ

Die besonderen Merkmale des Ägyptischen Arabers sind die grossen und glänzenden Augen, die weite Nüstern, die aufrechten Ohren und der kurzer Kopf. Der Ägypter hat einen geschwungene "Schwanenhals", einen  geschmeidigen, kurzen Rücken also eine harmonisch gerundete Körperlinie. Er trägt zierliche Fesseln und einen aufgestellten Schweif.

Fotogalerie

 

Quelle:
http://www.agoca.com
http://members.aol.com/NadaraArab