das Gestüt Crabbet Park

Weltweite Verbreitung

der Crabbet Araber-Typ

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Das Gestüt Crabbet Park

Das Gestüt Crabbet Park wurde durch Wilfried und Lady Anne Blunt, im Jahre 1878 in Sussex, England gegründet. Ihr Grundgedanke war der Import von arabischen Pferden um die Englische Vollblutzucht zu verbessern. Crabbet Park House in 1996 Photo by Barbara Byrd

Auf den Reisen in den Orient verliebten sie sich jedoch in die reinrassigen arabischen Pferde und beschlossen, selbst Araber zu züchten (zu dieser Zeit war die Araberzucht im mittleren Osten stark bedroht).

Im Jahre 1880 besuchten sie zum ersten Mal das Gestüt von Ali Pasha Sherif in Kairo. Dort erwarben sie den bunten Fuchshengst Aziz, welcher neben der Stute Rodania hauptverantwortlich für die Verbreitung von "Bunten" Füchsen auf Crabbet Park war. Lady Anne Blunt war von dieser Farbvererbung so begeistert, dass sie wenig später noch seinen Sohn Mesaoud - ein kompakter, sehr bunter Fuchs mit kräftiger Hinterhand und solidem Fundament, seinen Enkel Mahruss, sowie Bint Nura, Kasida und die einzige Schimmelstute Bint Helwa erwarb. Einige Araber die von Ali Pasha Sherif erworben wurden, wurden nicht nach England, sondern auf das ägyptische Crabbet-Dependance Sheikh Obeyd im Nildelta gebracht, welches die Blunts 1882 gründeten. (Unter ihrer Tochter Lady Judith Wentworth wurde es später zum Hauptexportgestüt der Welt)

Lady Wentworth mit ihren StammstutenIn den Jahren 1877 und 1887 importierten die Blunts ca 46 Pferde wie: Azrek, Basilisk, Dajania, Ferida, Hadban, Hagar, Kars, Pharaoh, Queen of Sheba, Rodania und Sherifa. Grosser Wert wurde darauf gelegt, dass es sich um reinblütige Araber aus der Beduinenzucht handelte, deren Abstammung einwandfrei nachweisbar war. Auch mussten die Pferde einen einwandfreien Charakter haben.
Mit wenigen Ausnahmen, wie Queen of Sheba und Hagar, erreichten die Pferde ein Stockmass von max 148 cm, und hatten meist kräftige Beine und selten eine Röhrbeinstärke unter 20cm.

1906 liess sich Lady Anne Blunt von ihrem Mann Wilfried Blunt scheiden und zog sich 1915 ins Gestüt Sheikh Obeyd zurück. Dort ritt sie noch bis zu ihrem Tode im 80. Lebensjahr täglich aus. 

Ab 1920 übernahm Lady Judith Wentworth die Zucht in Crabbet Park.

Lady Wentworth mit SkowronekLady Judith Wentworth's grosse Liebe galt dem polnischen Schimmel-Hengst Skowronek. Für sie war er die Verkörperung des idealen Arabers. Eine Eintragung in ihrem Stutbuch lautet: "Schneeweiss. Grossartiger, geschwungener Hals. Bildschöner Kopf; kleine, spitze Ohren. Starker, breiter Rücken und Kruppe. Hoch angesetzter Schweif. Tanzende Bewegungen." Natürlich hatte auch Skowronek Mängel: Eine steile Schulter, wenig Widerrist, geschnürte Gelenke. Und mit seinen 147 cm wäre er für den heutigen Geschmack etwas klein. Aber in jedem Falle war er ein grosser und vor allem dominanter Vererber. Seine Nachkommen erbten allesamt die Schimmelfarbe sowie auch seinen klassisch, schönen Typ. Mit ihm als Hauptvererber erlebte Crabbet Park seine Blütezeit.

In den letzten Betriebsjahren des Gestütes hatte ein weiterer Hengst Einfluss auf die Crabbet Zucht: Dargee. Er war ein wunderschöner Araber mit interessanter Abstammung. Er stammte vom Hengst Dwarka und vom Hengst El Emir ab.

Lady Wentworth führte bis zu ihrem Tode 1957 die Crabbet-Zucht fort. Danach übernahm ein Freund der Familie, Sir Geoffrey Covey, die Zucht. Mit seinem Tod endete 1972 die Ära der Blunt-Zucht in Crabbet Park. Das Gestüt wird heute als Hotel benutzt.

SkowronekDer Hengst Skowronek

Skowronek kam 1908 im Gestüt Antoniny (Polen) zur Welt. Er mass 147 cm und kam mit 11 Jahren in die Zucht. Er zeugte insgesamt 47 Nachkommen, wovon nur wenige zur Weiterzucht genutzt wurden.

In Antoniny, welchens 1883 gegründet wurde, wurde die alte Zucht Slawutas weitergeführt und wie es üblich war, ab und zu mit neuen Wüstenhengsten bereichert. Skowroneks Vater war der Original-Araber Ibrahim, der 1907 über die Türkei importiert wurde. Skowroneks Mutter Jaskolka stammte aus der alten Sanguszko-Zucht mit einem Pedigree, das 100 Jahre zurückreichte und als eine der besten Stuten des Gestüts galt.

Skowronek wäre beinahe als Kosackenpferd in den Kaukasus verkauft worden, als ihn der amerikanische Millionär Walter Winans entdeckte, nach England brachte, und ihn als Modell für seine Bronzearbeiten nutzte.

1919 sah H.V. Musgrave Clark den Hengst im Hinterhof seines Besitzers und kaufte ihn sofort. Umgehend begann seine Showkarriere. Auf Anhieb belegte er den dritten Platz hinter dem Weiler "Dolmetscher" und dem Hauptbeschäler von Crabbet Park "Nureddin II". Auch danach war er immer unter den ersten drei Plätzen zu finden. An einer Show in Islington sah ihn Lady Wentworth welche sich sogleich in ihn verliebte. Leider aber gab es zwischen ihr und Musgrave Clark grosse Differenzen, so dass sie einen Strohmann einsetzen musste um Skowronek zu kaufen. Clark verkaufte und ärgerte sich, als zum Abholen des Hengstes ein Anhänger mit der Aufschrift "Crabbet Park" erschein. Der Hengst blieb bis zu seinem Tode im Februar 1930 in Crabbet Park.

Naseem - ein Sohn von SkowronekNachkommen Skowroneks waren ua. Crabbet Sura, Incoronata, Jalila, Naseem, Naziri, Raffles, Raseyn, Rangoon, Raswan, Reyna, Rifala, Rimini, Rossana.

mehr zur Geschichte von Skowronetk unter: http://home.germany.net/101-38836/zweifel.htm

 

Weltweite Verbreitung

Die Araberpferde, die die Blunts vor über 100 Jahren aus der Wüste nach England brachten, wurden die Stammpferde der englischen Vollblutaraberzucht, und die Stammpferde der abendländlichen Araberzucht überhaupt.

Im Amerika hatte der Erfinder der Cornflakes W.K. Kelloggs, einen immensen Einfluss auf die Crabbet-Zucht. Kelloggs hatte seine Zucht mit Davenportpferden Anfang der 20er Jahre begonnen. 1926 importierte er jedoch mit Hilfe von Carl Raswan mehrere Araber aus der Zucht von Lady Wentworth, darunter die Skowronek-Söhne Raseyn und Raswan. Zehn Jahre später folgten weitere Pferde darunter wiederum zwei Skowronek-Nachkommen, und Naseem-Tochter Rissletta, die durch ihren Sohn Abu Farwa (v Rabiyas) Geschichte schrieb. Denn Abu Farwa, war der grösste und gefragteste Vererber in den 60er und 70er Jahren.

Ein weiterer wichtiger Importeur in Amerika war Roger Selby, der in den Jahren 1928 bis 1933 13 Stuten und sechs Hengste aus Crabbet Park importierte. ZB den 160 cm grossen Nureddin II, den 140 cm kleinen Skowronek-Sohn Raffles und den Wüstenhengst Mirage or ar (welchen Lady Wentworth jedoch nie in der Zucht eingesetzt hatte).

Kazmeen (Sotamm x Kasima)Die Pferde des Gestütes Sheykh Obeyd begründeten später den Grundstock der EAS (heute E.A.O. - Egyptian Agricultural Organization) und dienten dem Aufbau von El Zahraa. So wurden zB der Fuchshengst Jamil (Aziz x Bint Jamila) und die beiden Schimmelstuten Ghadia (Feysul x Ghazala) welche als "Radia" in der ägyptischen Zucht eingetragen und die Stammutter der Hengste Shaloul, Hamdan und Anter ist.
Jemla (Jamilx Ghazala) aus der Stammlinie der Crabbet-Stute Bint Helwa und nicht zu vergessen ein Hengst, der aus der ägyptischen Zucht nicht wegdenkbar ist: Kazmeen (Sotamm/Kasima) in England als "Kasmeyn" registriert. Der Braune repräsentierte vier Generationen Crabbet-Zucht, wobei interessant ist, dass sein Vater Sotamm (Astraled/Selma II) selbst zu den 1920 nach Ägypten importierten Hengsten gehörte. Er selbst jedoch nur eine Stutenlinie gründete: Bint Sabah, Zareefa (Mutter von El Sareei) und Bint Samiha, die Mutter von Nazeer dem ägyptischen Jahrhunderthengst.

Crabbet-Blut findet man in allen Zuchtlinien, wie zB die Ägypter Kaisoon und Alaa el Nin, sowie Farag aus dem Stutenstamm der Crabbet-Begründerin Rodania or ar. Auch der amerikanische "Russe" Padron stammt aus einer Crabbet-Stute.

Die Liste liesse sich endlos lange fortführen. Es gibt fast kein Land, dass nicht Crabbet-Pferde importiert und zur Zucht verwendet hat. Einzige Ausnahmen dürften Tunesien, Marokko und die Türkei sein. In Australien machen Crabbet-Araber den grössten Anteil der Einheimischen Araberzucht aus.

 

Der Crabbet Araber-Typ:

Den Crabbet-Araber erkennt man an seinen extrem kräftigen Beinen, den langen leistungsstarken Hüften und seinem schönen Kopf mit den unglaublich grossen und ausdrucksvollen Augen.

Fotogalerie

 

Quelle:
http://home.t-online.de/home/roland.pozniak