Vielen Dank Herrn Holger Schmeling
für die Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Textes
© by Holger Schmeling 1991, http://www.karlshof.com

Originaltext unter:
http://www.ramsch.org/martin/uni/forwiss-hp/Pferde/Texte/fohlengeburt.html

 

die Bedeckung

die Fohlengeburt

die Aufzucht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Die Bedeckung

Vorbereitung der Stute

Oft wird der Vorbereitung der Stute auf ihre neue Karriere als Zuchtstute, zu wenig Beachtung geschenkt.
Denn es viele Möglichkeiten, die Chancen dass die Stute auch tragend wird, noch vor der Decksaison zu verbessern.

Zunächst wird man im November eine Untersuchung auf Zuchttauglichkeit veranlassen. Dabei wird der Tierarzt durch eine rektale Untersuchung (durch den Mastdarm) Eierstöcke und Gebärmutter untersuchen. Ausserdem wird er mittels einer vaginalen Untersuchung eine Tupferprobe vom Muttermund nehmen, die in einem Untersuchungsinstitut auf krankmachende Keime untersucht wird.
Dabei ist wichtig zu wissen, dass auch Stuten die noch nie gedeckt wurden, solche Keime in der Gebärmutter haben können.

Auch die Fütterung sollte man für wichtig nehmen, denn zum einen nehmen fette Stuten in der Regel schlechter auf und zum anderen fördert eine ausreichende Versorgung mit Beta-Carotin Rosse und Follikelbildung erheblich.
Im Herbst vor der Bedeckung kann man die Kraftfutter-Ration drosseln, um die Stute abzuspecken. Dann im Frühjahr wird sich nach leichter Erhöhung der Kraftfutter-Ration, eine deutlichere Rosse zeigen.

Die Auswahl des Deckhengstes

Durch die modernen Möglichkeiten wie Samen- oder Embryotransfer hat sich auch die Auswahl der Deckhengste durch den Stutenbesitzer stark gewandelt. Es wird oft gar nicht mehr überlegt, ob der Hengst zur Stute passt, sondern der Name des Hengstes, die späteren Verkaufschancen des Fohlens, geben den Ausschlag.
Der Hengst wird aus Hochglanzprospekten ausgesucht, die natürlich nur die Schokoladenseiten präsentieren.

Der angehende Züchter sollte sich aber ausführlich beraten lassen, welcher Hengst die Punkte besser vererbt, die an seiner Stute vielleicht nicht optimal sind. Der eigene Tierarzt wird diese Punkte sicher aufzeigen können. Wenn möglich sollten die Hengste, die man in die engere Wahl gezogen hat, persönlich und mit einer fachkundigen Begleitung gemustert werden.
Und je mehr Fohlen man sich jeweils von einem Hengst angesehen hat, desto besser wird man ihn beurteilen können.

Eine Auswahl nur nach Prospekt (Werbung) ist eindeutig abzulehnen. Auch ein Siegerhengst oder ein Super-Springer muss nicht unbedingt zu jeder Stute passen.
Andererseits kann es auch nicht sinnvoll sein, nur um etwas Deckgeld einzusparen, den nächstbesten Hengst auszuwählen. Unter Umständen lohnt sich auch eine längere Fahrt zu einer Deckstation, wenn diese gute Hengste und einen guten Service bietet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Fohlengeburt

Vorwort

Die für die Pferdezüchter aufregendste Jahreszeit ist noch immer Die Abfohlsaison. Es gibt immer noch viele Züchter, die noch nie bei der Geburt eines Fohlens dabei waren. Das liegt wohl daran, dass die Stuten die Geburt hinauszögern können, wenn sie sich gestört fühlen.

Wenn der aufgeregte Besitzer dann nach einer langen Nachtwache nur schnell eine Tasse Kaffee trinken geht, versäumt er oftmals die Geburt!

Meistens geht alles glatt und zuviel "Hilfe" bei der Geburt ist eher schädlich als nützlich; dennoch ist es wichtig, dass man die Anzeichen der nahenden Geburt erkennt.
Das ist nicht einfach, da es leider keine 100% sicheren Anzeichen gibt. Harztropfen am Euter, eingefallene Beckenbänder etc; das alles sind nur Anhaltspunkte, die man wahrnehmen kann. Einige Stuten fohlen jedoch, ohne dass sie solche Anzeichen gezeigt hätten.

Unzuverlässig können auch Geburtenmelder sein, die auf der Basis eines Feuchtigkeits- und Wärmesensors funktionieren.
Denn zum einen wird ein warmer Winter die Stuten auch ohne eine bevorstehende Geburt schwitzen lassen und dadurch Alarm auslösen, und zum anderen gibt es Stuten, die vor und während der Geburt nicht schwitzen!

Geburtenmelder, die das Austreten der Fruchtblase aus der Scham erkennen und dann Alarm auslösen, sind zuverlässiger. Fehlalarme gibt es sehr selten und nur dann, wenn die Gurte nicht völlig korrekt angelegt werden.

Das Anlegen mit Halsgurt, Bauchgurt sowie einem Schweifriemen und 2 weiteren Bändern zum Anpassen an die jeweilige Stute waren zusammen mit dem hohen Preis der einzige Nachteil dieses Systems. Leider werden diese Geburtenmelder nicht mehr hergestellt.

Bleibt also doch nur die "Nachtwache" als Alternative, es sei denn man leistet sich wie manche grossen Vollblutgestüte einen Nachtwächter, der auf die hochtragenden Stuten die ganze Nacht hindurch aufpasst.

Die Geburt

Nun einmal angenommen, der Züchter erkennen die beginnende Geburt, die Stute beginnt zu schwitzen, geht einige Male in der Box herum und legt sich schliesslich hin. Nun gilt es zunächst einmal, Ruhe zu bewahren, denn die Nervosität des Menschen würde sich sofort auf das Pferd übertragen.

Jetzt wird erst einmal überprüft, ob alles notwendige zur Hand ist. Zweckmässigerweise sollte man lange vor dem Geburtstermin einen Servierwagen oder ähnliches mit folgenden Dingen bereitstellen:

  • Eimer (einen zum Hände waschen, einen zum späteren Reinigen des Euters)

  • mildes Desinfektionsmittel bzw Seife und Bürste

  • zwei Geburtsketten (optimal!) oder Geburtsstricke

  • Jod-Alkohol Lösung (Nabeldesinfektion) + Eierbecher

  • "Practo-clyss" Einläufe (Apotheke oder vom Tierarzt)

  • "Respirot" Tropfen (aktiviert die Atmung!)

  • Schere und Bindfaden, um - wenn nötig - den Nabelstumpf abbinden zu können

  • Ballenkordel, um die Nachgeburt hochzubinden

  • saubere Tücher

Wenn die Stute sich dann endgültig niedergelegt hat und die Wehen sich verstärken, sollte eine der Stute vertraute Person die Box betreten und sie zunächst nur beobachten. Als erstes tritt eine Blase mit dem Fohlenurin aus der Scheide. Diese hat die wichtige Aufgabe die Geburtswege zu weiten und sollte auf gar keinen Fall geöffnet werden. Erst wenn ein bzw beide Vorderbeine zu sehen sind, kann man die Eihaut öffnen und durch leichten Zug in Richtung der Hinterbeine, dh nach hinten/unten, den Geburtsvorgang unterstützen.

Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass man nur jeweils mit den Wehen leicht zieht. Ein zu grobes Vorgehen hat oft Schädigungen der Geburtswege und der Scham zur Folge.

Auf den Vorderbeinen liegend kommt nun der Kopf des Fohlens zum Vorschein. Sollte das nicht der Fall sein (kommt in seltenen Fällen vor), dann liegt das Fohlen im Mutterleib nicht richtig.

Jetzt muss man sofort die Geburt unterbrechen, indem man die Stute zum Aufstehen zwingt. Das erneute hinlegen und pressen verhindert man durch Umherführen. Die weiteren Massnahmen wird dann der sofort herbeigerufene Tierarzt anordnen.

Zurück zur normal ablaufenden Geburt: Nach den Vorderbeinen und dem Kopf des Fohlens, wird nun die Schulter aus der Scheide gepresst. Anschliessend gleitet meistens das Fohlen gänzlich heraus. Nun befreit man das Fohlen von der Eihaut, streift mit einer sauberen Hand den Schleim aus den Nüstern und bereitet dann den Einlauf vor. Dieser wird in einem Eimer mit heissem Wasser erwärmt.

Beim Aufstehen der Stute reisst die Nabelschnur in der Regel an der von der Natur vorgesehenen Stelle ab und man kann den Nabelstumpf mit der Jod-Alkohol-Lösung desinfizieren.

Mit einem Büschel Heu in jeder Hand reibt man das Fohlen etwas ab; das regt vor allem den Kreislauf an! Eine gute Mutterstute wird ihr Fohlen jetzt ablecken.

Nach dem Verabreichen des Einlaufes sollte das Darmpech innerhalb von 5 bis 10 Minuten abgehen, sonst wendet man ein weiteres Klistier an.

Gleich nach dem Aufstehen der Stute bindet man mit der bereitgelegten Schnur die Eihaut bzw Nabelschnur hoch, damit die Stute nicht darauf treten kann.

Mit warmem Wasser und einem milden Desinfektionsmittel säubert man noch das Euter der Stute, streut falls nötig einen Ballen Stroh in die Abfohlbox und beobachtet von draussen die Stute und ihr Fohlen.

Die Nachgeburt sollte spätestens nach einer Stunde abgegangen sein, andernfalls ist der Tierarzt zu rufen. Auf der Stallgasse breitet man die Nachgeburt auseinander und kontrolliert sie genau auf Vollständigkeit. Auch kleine Stücke, die in der Gebärmutter zurückbleiben, verursachen eine Entzündung, welche unter Umständen zur Unfruchtbarkeit führen kann.

In der Zwischenzeit wird das Fohlen die ersten Versuche machen aufzustehen. Auch wenn es dabei oft turbulent zugeht, braucht der Mensch in der Regel nicht helfend einzugreifen. Viele Fohlen stehen bereits nach kurzer Zeit, andere benötigen bis zu einer Stunde.

Steht es dann, zunächst noch sehr wacklig, wird es bald nach dem Euter der Stute suchen. Nur wenn die Stute sehr unruhig ist und ihr Fohlen nicht saugen lassen will, sollte man eingreifen und die Stute am Halfter haltend beruhigen. (Hengstfohlen brauchen oft viel länger um die Milchquelle zu finden, als Stutfohlen).

Nach einer Stunde vergeblicher Sucherei wird der Suchreflex nachlassen, da das Fohlen ermüdet ist. Gut wäre es, wenn eine erfahrene Person das Fohlen behutsam hinlegen könnte und es am Aufstehen hindert. Hält man seinen Kopf unten und streichelt das Fohlen, dann schläft es ein. Nach etwa 10 bis 15 Minuten steht es dann von selbst wieder auf und man kann es sanft neben die Stute zum Euter schieben.

Da die erste Milch, auch Biestmilch genannt, Abwehrstoffe enthält ist sie sehr wichtig für das Fohlen. Diese Abwehrstoffe können nur in den ersten Lebensstunden über den Darm in den Körper aufgenommen werden und schützen das Fohlen gegen im Stall vorkommende Keime.

War der Tierarzt bei der Geburt anwesend, dann wird er das Fohlen bereits mit Fohlenlähmeserum geimpft und eventuell auch ein Depotpenicillin gespritzt haben. Ansonsten sollte das spätestens am nächsten Morgen geschehen. Beides sollte jedoch nicht am Hals gespritzt werden! Falls nämlich in seltenen Fällen eine Abwehrreaktion auftritt (entweder durch nicht sterile Spritzen bzw eine Penicillin-Allergie), hätte das Fohlen beim Suchen des Euters sehr grosse Schwierigkeiten.

 

Die Aufzucht

Am nächsten Tag sollte die Stute mit ihrem Fohlen für wenige Minuten auf eine kleine Koppel bzw Auslauf gebracht werden. Unruhige Stuten führt man herum, eine erfahrene Mutterstute wird man laufen lassen können.

Bewegung und Umgang mit Menschen ist für das Fohlen vom ersten Tag an sehr wichtig. Nur bei starkem Regen oder Schneesturm lässt man die Mutterstuten im Stall. Die Dauer des Aufenthalts im Freien wird von Tag zu Tag gesteigert.

In den ersten Lebenstagen wird man beobachten können, wie das Fohlen den frischen Kot der Stute frisst. Darin sind Mikroorganismen enthalten, die im Darm für die Aufschlüsselung der Zellulose wichtig sind und dem Fohlen noch fehlen. Mit dem frischen Kot werden keine Würmer übertragen, da die Wurmlarven in der Regel ca eine Woche ausserhalb des Pferdes sein müssen, um wieder ansteckend zu sein.

Das Fohlen muss nun langsam Vertrauen bekommen. Das kann man nicht dadurch erzwingen, indem man das Fohlen ständig umsorgt und streichelt. Oft ist es besser, die Stute zu putzen und dabei viel zu reden. So wird sich das Fohlen an den Menschen und seine Stimme gewöhnen. Da die Fohlen ausgesprochen neugierig sind, wird es sicher von alleine näher kommen und alles vorsichtig beschnuppern. Bei einer schnellen Bewegung oder einem lauten Wort springt es schnell wieder weg.

Nach ca einer Woche sollte man dem Fohlen, zunächst immer nur für kurze Zeit, ein Halfter auflegen. Stute und Fohlen sollte man dieses aber abends unbedingt wieder abnehmen, da sich andernfalls das Fohlen mit den Beinen im eigenen oder dem Halfter der Stute verfangen und verletzen könnte.

Der nächste Schritt der Fohlen-Erziehung ist das Aufheben der Hufe. Dieses kann ab der zweiten Lebenswoche geübt werden, nachdem eine Vertrauensbasis hergestellt wurde. Dabei wird das Fohlen von einer ihm vertrauten Person festgehalten und beruhigt, während eine zweite Person versucht, die Hufe aufzuheben. Nach jedem gelungenen Versuch lobt man das Fohlen, wobei Leckerli nicht nötig sind!

Am neunten Tag nach der Geburt sollte man die Stute und das Fohlen entwurmen. Der Durchfall, den das Fohlen in diesen Tagen bekommt, ist oft auf Würmer zurückzuführen. Über die Muttermilch wird das Fohlen bereits in den ersten Tagen infiziert. Der Fohlen-Durchfall kann aber auch durch eine Veränderung der Stutenmilch während der Fohlenrosse verursacht werden.

Um Schädigungen der Haut zu vermeiden, sollte man das Fohlen bei Durchfall mit einer milden Desinfektionslösung (Seife!) abwaschen und nach dem Trocknen mit Einweg-Tüchern, mit Vaseline oder Melkfett einreiben. Dauert der Durchfall länger als einen Tag oder zeigt sich das Fohlen geschwächt, so ist der Tierarzt zu holen. Darminfektionen, die unter Umständen durch Viren hervorgerufen werden, können bei Nichtbehandlung sogar tödlich enden!

Weitere Wurmkuren sollten mit dem Fohlen im Abstand von zunächst 14 Tagen durchgeführt werden. Nach dem dritten Mal kann der Abstand auf vier Wochen verlängert werden. Dabei sollte jedes Mal der Wirkstoff gewechselt werden, da die Würmer sonst unter Umständen resistent werden können.

Mindestens einmal jährlich sollte eine Kotuntersuchung auf Würmer gemacht werden. Entweder lässt man die Untersuchung vom Tierarzt machen oder man schickt eine Kotprobe (in Plastiktüte verpackt und möglichst nicht im Hochsommer!) an den zuständigen Kantonstierarzt. Bei einem negativen Ergebnis muss unbedingt eine weitere Kotprobe untersucht werden.

Bereits in den ersten Lebenswochen ist auf die Hufe und die Hufstellung zu achten. In der Regel wird drei Monate nach der Geburt der Hufschmied das Fohlen begutachten und wenn nötig ausschneiden bzw die Hufstellung korrigieren. Dies ist sehr wichtig, da sich eine Fehlstellung der Hufe auf die Gelenke auswirkt.

Im oder nach dem vierten Lebensmonat ist die erste Tetanus-Impfung fällig. Die Grund-Immunisierung besteht aus zwei Spritzen im Abstand von 4-8 Wochen und der dritten Spritze nach weiteren 12 Monaten. Eine Impfung gegen Pferde-Influenza ist ebenfalls zu empfehlen. Ihr Tierarzt wird sie sicher gerne über einen Impfplan informieren.

Quelle:
http://www.ramsch.org/martin/uni/forwiss-hp/Pferde/Texte/fohlengeburt.html
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