Geschichtlicher Abriss der Russischen Araberzucht

der Beginn von Tersk

der Russische Araber-Typ

Fotogalerie

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichtlicher Abriss der Russischen Araberzucht

Arabische Pferde gibt es in Russland wohl schon seit Menschengedenken. In Russischen Chroniken wird schon im zwölften Jahrhundert von Wunderpferden gesprochen. Feine und edle Pferde waren sehr selten und darum umso wertvoller und geschätzer von Kavalliere und Königshaus.

Durch Reisen wurden weitere orientalische Pferde mit türkischen Blut ins Land gebracht. In den Ställen des Ivan des Schrecklichen (1530-84) fand man zahlreiche dieser "Mischpferde" sowie auch reine Araber.

Im frühen 18. Jahrhundert zählte man ca 100 Arabische Hengste.

Im späteren 18 Jahrhundert während den Türkisch-Russischen Kriegen, brachte Graf Alexander Orlov eine grosse Anzahl arabischer Pferde nach Russland. Er bekam über 30 Hengste und Stuten als Geschenk von Türkischen Würdenträgern und vom Sultan: Davon wurden die Hengste Alibei und Orlov nach England als Zuchthengste verkauft, 18 Pferde wurden Zarin Katharina der Zweiten geschenkt und mit 12 Hengsten sowie neun Stuten wurde auf dem Gestüt Orlov die Zucht veredelt.
 
1775 kam der Hengst Sultan I nach Russland, welcher leider nach einer Decksaison schon verstarb. Ein Jahr später kaufte sich der Graf Orlov den Hengst Smetanka für 60 000 Rubel. Eine Riesen Summe zu dieser Zeit! Smetanka war ein Silberschimmel von 153.4 cm Grösse, hatte viel Typ und eine trockene Statur. Leider konnte auch er nur während einer Saison decken, er verstarb 1777. Smetanka produzierte drei Hengste und eine Tochter.
Trotz der kurzen Deckzeit der beiden Hengste Smetanka und Sultan I, hatten beide entscheidenden Einfluss auf die Russische Araberzucht.

Auf Reisen in die Arabischen Länder kaufte der Baron Rostopchin 1802, die Hengste Rishan, Kaimak, und Kadi und brauchte diese für seine Vollblutzucht - Er gründete eine eigene Rasse, genannt die Rostopchins.

1842 wurden die Gestüte Orlov und Rostopchin vom König gekauft und neu zur Zucht des Orlov-Rostopchin Pferd benutzt.

In den folgenden Jahren züchteten 44 Gestüte mit arabischen Pferden, entweder zur Reinzucht oder für Einkreuzungen.

Seit dem frühen 20. Jahrhundert ist der Standart der Araberzucht in Russland sehr hoch. Russische Araber wurden in viele Länder exportiert und gründeten dort sogar eigene nationale Linien. So zB die Pferde Burgas, Pritsel, Obejan Serebrni, Wan Dyck, Ursus und Gazella.

 

Der Beginn von Tersk

Um die Warmblutzucht der Kavallerie zu verbessern unternahmen Baron Stroganov und Prinz Sherbatov anfangs des 20. Jahrhunderts  einige Reisen nach Arabien und Syrien um Pferde einzukaufen.
Dann am 21. Juni 1898 gründeten sie, im nördlichen Kaukasus, Nahe von Stravopol, ein Gestüt heute bekannt als Tersk. Sie begannen mit mit vier reinrassigen Araber Hengsten und und neun Stuten. Sie züchteten reinrassige Arabische Pferde, sowie einige Warmblutpferde.
1901 wurden bereits über hundert Pferde gezählt, darunter 12 Arabische Hengste und 32 Stuten. Im gleichen Jahr gaben sie das Buch: "Stud Book of Arabian Horses in Russia with Pedigrees" in St. Petersburg heraus.

Leider verlor Tersk in den Jahren des ersten Weltkrieges 1917 - 1920 viele wertvolle Pferde, so dass die Zucht stark gefährdet war. Aus diesem Grunde wurden in den Folgejahren viele Pferde aus Europa importiert.
Polen, welches bekannt war für die besten Araber in Europa, wäre eine gute Quelle für Tersk gewesen, aber die politischen Verhältnisse zwischen den zwei Ländern waren so belastet, dass sich die Russen nach anderen Gestüten umsehen mussten.

1921 wurde das Tersk Arabian Stud gegründet und ab 1926 wurde dann selektiv gezüchtet.
Von 1930 bis 1947 wurden 18 Hengste und 86 Stuten von verschiedenen Staaten eingeführt. Die vertvollsten Hengste waren Kann, Naseem, Piolun, Ofir, Taki Pan und die wohl wertvollsten Stuten waren Karabin, Sapin, Mammona, Taraszcza, Dziva, Riksalina. Alle diese Pferde wurden Gründer von Stuten und Hengstlinien.
Aus Ungarn kam 1930 der Schimmel Koheilan IV. Aus Frankreich kamen sechs Arabische Stuten: Asisa, Gurara, Belle et Bonne, Kirza, Carabine und Sapin sowie der Hengst Kann. Die französischen Araber waren robust und gesund aber es fehlte ihnen am arabischen Typ. Daher wurden 1939 sechs Hengste und 19 Stuten aus dem Crabbet-Gestüt in England importiert. Naseems (Skowronek x Nasra) Einfluss auf die Russische Zucht war enorm, von seinen 86 Fohlen wurden fünf Söhne in der Zucht verwendet. Rissalma war die Mutter von Priboj sowie einiger weiteren sehr guten Töchtern. Ebenfalls Pharoah und Mesaoud sowie die Stute Sobha endeten in Russland.

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 gewann Tersk wertvolles Zuchtmaterial dazu, da russische Soldaten viele Araber, wie den berühmten Hengst Ofir (für Polen der "Jahrhunderthengst"), im Gestüt Janow Podlaski in Polen konfiszierte. Von den Polnischen Hengsten wurden Ofir, Piolun, Skrzyp und Wanne Taki zur Zucht der reinrassigen Araber verwendet, die anderen wurden für die Halbblüter verwendet. Unter den Stuten befanden sich Berühmtheiten wie Dziwa (Mutter von Ofir und Wielki Szlem) und Krucica mit ihrem braunen Stutfohlen Mammona von Ofir bei Fuss. Mammona gilt heute in Russland als "der Schatz von Tersk".

1941 wurden alle Pferden von Tersk nach West Kazakhstan evakuiert, wo sie frei in Herden gehalten wurden. Trotz der strengen Klimabedingungen kamen die Pferde 1943 in gutem Zustand wieder nach Tersk zurück.
1944 bewilligte die Sovietregierung Tersk das ausschliessliche Recht, reinrassige Araber zu züchten. Alle Halbblüter wurden nach Stavropol umgesiedelt. Tersk ist die Geburtsstätte des Russischen Arabers.

1945 kam eine Herde deutscher Araber in Tersk an: Donata, Lazejka, Laba, Lagodna, Jutrzenka Ofiru, Orbita. Und nach dem Krieg kamen drei weitere Hengste nach Russland: Arax (Amurath Sahib x Angara), Semen (Laur x Sokora) und Elfur (Czort x Ellora).
Arax, gebohren in 1952, wurde 1958 nach Russland importiert. Er stammte aus der Bairactar Hengst Linie, hatte viel Substanz, war korrekt gebaut und einen schönen Kopf mit grossen, schwarzen ausdruckvollen Augen.
Semen, importiert in 1962, war der Vater vieler kräftiger Fohlen welche sich in Rennen bewährten.
Elfur deckte von 1972 bis 1976. Er war ein excellentes Rennpferd vom Kohailan Typ, trocken und kräftig gebaut mit guter Aktion.

1965 wurde das erste russische arabische Bolzenbuch (R.A.S.B.) veröffentlicht.

Drei Jahre später 1968, wurden 19 Pferde aus Ägypten importiert, diese aber nur vier Jahre zur Zucht eingesetzt: es war unmöglich deren Zuchtreinheit herauszufinden. Einzig der Hengst Mohayed (Shahriar x Bint Badr), wurde noch weiterverwendet.
Trotzdem wurden 1973 abermals Ägyptische Pferde eingeführt, wie der Hengst Arafa (Shahriar x Afifa) und Nazeeh (Gassir x Zebeda) und das Ägyptische Government schenke Russland zwei Hengste Aswan (Nazeer x Yosreia), ein trockenes Pferd mit einem schönen Kopf und guter Aktion und Nil (Sid Abouhom x Malaka) welcher leider schon nach einer Decksaision verstarb.

Heute wird in Tersk mit sieben Hengstlinen gezüchtet: Koheilan 1- Piolun (Gordon, Parusnik), Amurat (Balaton, Kingsize), Mansur (Piligrim, Karat), Korej (Madiar, Adres), Naseem (Pogremok), Kryzchik (Mat), Kuhailan Afas (Negasimyi),
sowie mit 10 Stutenlinien: Mammona, Taraszcza, Dziva, Plomba, Ridaa, Elsisa1, Sapinya, Koalitsia, Karabin.

Mehrfache Tersker Champions auf Show und Bahn sind/waren:
Menes, Balaton, Kubinek, Gips, Drug, Sambist, Kupol, Naftalin, Karinka, Pesnia, Maliutka, Naira, Amunitia, Vizantia, Vympel, Negativ, Naftalin, Bagdad ...

Balaton/Menes

Der wohl bekannteste Russische Hengst heute ist Balaton, geboren 1982. Er stammt aus der Amurath Sahib Hengstlinie, ist ein Menes Sohn aus der Panagia, welche eine exzellente Tersker Stute war, und dessen Grossvater Salon mehrfacher Champion sowie der Vater von Muscat (National Champion in den Vereinigten Staaten) war. Balatons Grossmutter Pustynia war eine hervorragende Rennstute.

Balaton wurde mit zwei Jahren auf der Bahn geritten, in denen er von 10 Rennen in sieben Platziert war. Wegen seinem enormen Durch sein enormes Zuchtpotiential wurde schon mit drei Jahren begonnen zu züchten. Er war Hauptvererber auf dem Tersker Gestüt zwischen 1985 und 1990 und von 1991 und 1992 wurde er in die Niederlande verliehen.

Balaton ist bekannt dafür trockene Beine und seinen hervorragenden Wüstentyp. Er hat einen trockenen Kopf und schöne, freundliche Augen.

Balatons Vater ist Menes, der mehrere Jahre Hauptvererber in Tersk war. Er wurde in die USA exportiert und kehrte danach nach Europa (Holland) zurück. Menes ist Vater vieler Champions, unter ihnen Europa- und Weltchampions. Menes Vater ist der Arax-Sohn Nabeg, der ebenfalls viele Champions hervorbrachte.

 

Der Russische Araber-Typ

Der Russische Araber von heute ist ein Resultat der Anpassung an das rauhe Klima: trockene Steppen, extreme Temperaturen sowie die ständige Selektion und Kontrolle der Zucht.

Der Russische Araber misst ca 145 cm Stockmass, ist von Feinheit und Typ, hat Trockene Gliedmassen ein gutes Temperament und ist genügsam. Er ist vom Typ Koheilan-Saklawi, ein athletischer Allrounder, einer der heute das Rennen gewinnen will und morgen in einer Show brilliert.

Fotogalerie

 

Quelle:
http://www.horses.ru/arabian.htm
http://www.agoca.com