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Ursprünglich kommt der Shagya-Araber aus Österreich-Ungarn.
In den kaiserlich königlichen Staatsgestüten (Bábolna und Radautz) entstand
diese neue Pferderasse. Eingehend mit der Entstehung des Gestütes Bábolna
begann die Zucht des Shagya-Arabers.
Anfang des 19. Jahrhunderts mitten in der Österreich-Ungarischen
Donaumonarchie, waren die Pferde für die Kriegsführung als auch für
die Repräsentation bei Hofe unabdingbar. Die früheren Kaltbluttypen,
die ihre gepanzerten Reiter trugen oder schweres Kriegsgerät zogen, hatten ausgedient.
Und so verlangte auch das Österreichische Königshaus nach wendigen, ausdauernden
und dazu auch noch schönen Pferden. Zum Zwecke der Zucht dieser Pferde wurde auf Erlass des
österreichisches Kaisers Joseph II im Jahr 1789 das Staatsgestüt Bábolna in
Ungarn. Diese Region, in der Nähe von Budapest, bot sich als Standort
für ein Gestüt geradezu an, denn es standen riesige Weideflächen zur Verfügung,
und die einheimische Bevölkerung hatte bereits Erfahrung mit Pferdezucht.
Grundstock des Gestütes waren sowohl
Araberstuten als auch Lipizzaner, Andalusier, Moldavier, Siebenbürger und
Stuten weiterer Landpferderassen. Diese bunte Mischung verschiedener
Pferderassen in der Anfangszeit des Gestütes kam dadurch zustande, dass das
Gestüt zunächst als Durchgangs- und Quarantänestation für im Ausland
angekaufte Pferde diente, die anschliessend in das Muttergestüt Mezöhegyes
gebracht wurden.
Einen leicht orientalischen Einschlag allerdings
hatten die Pferde in Bábolna bereits von Anfang an, denn Ungarn stand lange
Zeit unter türkischer Herrschaft. Um 1816, das als Geburtsjahr der heutigen
Shagya-Araber gilt, erfolgte dann auch ein Erlass der Gestüts-Oberdirektion aus
Wien, dass die Bábolnaer Stuten nur noch mit orientalischen, sprich Araber-Hengsten
zu decken seien. Die Hinwendung zu den arabischen Pferden war nicht abwegig, denn sie
waren bei den Königs- und Fürstenhäusern der damaligen Zeit sehr beliebt. Sie
galten als die sagenhaften Pferde aus dem Morgenland, und gefährliche
Expeditionen wurden unternommen, um diese edlen Tiere im Orient zu erstehen.
Die beiden ersten für Bábolna zugekauften
orientalischen Pferde waren der Hengst Gidran und die Stute Tifle. Diese beiden
Pferde wurden durch einen adeligen Agenten, Baron Fechtig, geliefert. Gidran
wurde im Mutter-Gestüt Mezöhegyes aufgestallt. Tifle bezog direkt ein Box in Bábolna
und brachte ein Hengstfohlen von Gidran mit Namen GidranI zur Welt.
GidranI
wurde Hauptbeschäler in Bábolna und
blieb dort mehr als 10 Jahre im Deckeinsatz. Es kamen noch weitere orientalische
Hengste und auch Stuten hinzu. Aber leider verfolgte man die Zuchtrichtung
Araber nicht konsequent und so wurden neben spanischblütigen Hengsten, in den
Jahren 1835 - 1839 auch mehrere englische Vollblut-Hengste als Beschäler in Bábolna
eingesetzt. Eine Mischzucht begann, die nicht sehr erfolgreich war und sogar in
einem Zucht-Rückgang kam. 1836 hatte die Gestütsoberdirektion in Wien
dann endlich aus ihren Fehlern gelernt und verlangte nun die konsequente
Ausrichtung der Zucht auf den Araber.
So reiste Gestütskommandat Major Freiherr Eduard
von Herbert nach Syrien und erstand dort in der Umgebung von Damaskus von Beduinenstämmen
fünf wertvolle Zuchtstuten und neun Hengste.
Unter ihnen befand sich auch der Namensgeber der Shagya-Araber, der damals
sechs jährige
und heute fast legendäre Hengst Shagya. Freiherr von Herbert fand Shagya
bei dem Beduinenstamm der Bani Saher. Der Hengst wird beschrieben als ein "geapfelter
Honigschimmel" und entsprach mit seiner für einen Araber stattlichen Grösse
und seinem edlen und formschönen Gebäude dem grossrahmigen
Arabertyp, der in Bábolna gezüchtet werden sollte. Shagyas Nachkommen
bestachen durch Ausdauer, Eleganz und Stärke und begründeten so zu recht
seinen Ruf als Linienbegründer. Da die Expedition sehr erfolgreich war und die
Nachzuchten der im Orient erstanden Araber zu grossen Hoffnungen berechtigte, folgten
noch weitere Expedition sowohl nach Ägypten als auch nach Syrien. Innerhalb von
kurzer Zeit fanden so vier Linienbegründer der Shagya-Araber ihre Heimat in Bábolna:
Gidran, El Bedavi, Shagya und Dahoman.
Der unter der Leitung von Mihály Fadallah el
Hedad eingekaufte und ebenfalls Linienbegründende Hengst Koheilan brachten den
Bábolnaer Arabern überregionale Bedeutung. Ein direkter Nachkomme dieses
Hengstes sorgte dafür, dass die in Bábolna gezüchtete Araberrasse auch über
die Landesgrenzen hinaus Anerkennung fand und das Gestüt zum bedeutendsten
Arabergestüt Europas wurde. Der Koheilan-Sohn KoheilanI wurde auf der
Weltausstellung in Paris im Jahr 1900 als bester Halbbluthengst prämiert.
Parallel zu dem Gestüt Bábolna entstand im Jahr 1774 als weiteres K & K
Staatsgestüt, das Gestüt Radautz, in den Ostkarpaten im heutigen Rumänien.
Radautz züchtete, bedingt durch einen regen Austausch von Zuchtmaterial mit dem
Gestüt Bábolna, auch Shagya-Araber der verschiedensten Hengstlinien. Durch die
geographische Lage waren die Aufzuchtbedingungen in Radautz rauer und härter
als in Bábolna. Dennoch wurde bei einer Gestütsinspektion festgestellt, dass
von mehr als 1600 in Radautz lebenden Pferden lediglich 13 krank waren. Die dort
gehaltenen Pferde strotzten vor Kraft und Lebensfreude. Die aus Radautz stammenden Shagyas
waren gegenüber den Bábolnaer Shagya-Arabern kräftiger, grösser und sportbetonter.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914, wurden
die Pferde des Gestütes Radautz evakuiert. Der Pferdebestand zerstreute sich.
Ein Teil der Pferde landete im slowakischen Gestüt Topolcianky und begründete
die dortige und noch heute bedeutende Shagya-Zucht. Ein anderer Teil wurde von
einer Privatperson, dem Grafen Esterhazy aufgekauft, welche die Pferde 1936 an
das Gestüt Bábolna zurückverkaufte. Dadurch konnte die entstandene Lücke
im Pferdebestand des Bábolnaer Gestütes wieder geschlossen werden. Auch Bábolna
wurde 1914 evakuiert, jedoch nicht vollständig, denn die hochträchtigen Stuten
und jene, die gerade gefohlt hatten, mussten zurückgelassen werden. Im Jahr
1919 wurde Bábolna dann von rumänischen Truppen besetzt und die zurückgelassenen
Pferde wurden erbeutet. Mit diesen original Bábolnaer Pferden gründeten
die Rumänen im Jahr 1929 das Gestüt Mangalia am Schwarzen Meer und legten so
den Grundstein für eine erfolgreiche und später auch von Ungarn unterstützte
Nachzucht der Bábolnaer Araber.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen übernahm
Tibor von Pettkó-Szandtner die Gestütsleitung in Bábolna. Als begeisterter
Fahrer sorgte er dafür, dass die Bábolnaer Pferde, insbesondere in Fahrprüfungen
auf Turnieren im In- und Ausland erfolgreich vorgestellt wurden. Unter seiner züchterischen
Leitung wurde die Rasse konsolidiert und verlorene Hengstlinien wieder in Ungarn
eingeführt.
Sehr schnell allerdings war die blühende Zucht
wieder bedroht durch den Zweiten Weltkrieg. Tibor von Pettkó- Szandtner konnte
die Bábolnaer Pferde vor der sowjetischen Besetzung rechtzeitig in Sicherheit
bringen. Nochmals wurde das Gestüt evakuiert, und dieses Mal vollständig.
Diese Evakuierung sorgte dafür, dass der Shagya erstmalig nach Deutschland kam und danach
unter der Besatzungsmacht der Amerikaner, durch
Zwangsversteigerungen und Export in alle Winde verstreut wurde.
200 Shagya-Araber standen später wieder in Bábolna.
Einige dieser zurückgekehrten Stuten waren tragend von Hengsten, die von
Deutschland aus in die USA gebracht wurden - ungeborenes Leben mit einer
Abstammung aus Hengstlinien, die vom Aussterben bedroht waren. Aber zunächst
sollten die Zeiten für die Shagyas in Ungarn hart bleiben. Denn die Politiker,
die nunmehr über die Belange des Gestütes zu entscheiden hatten, unterwarfen Bábolna
konsequent dem Gedanken der Wirtschaftlichkeit und züchteten ausschliesslich
marktgerecht, sprich schwere Pferde für den Einsatz in der Landwirtschaft.
Nachdem aber auch in Ungarn die Mechanisierung eingesetzt hatte, ging die
Pferdezucht ganz zurück. In den Jahren ab 1966 wurden wertvolle Shagya-Araber
Zuchtpferde exportiert, insbesondere nach Deutschland und Dänemark.
Nach 1968 konnte sich das Gestüt wieder den Luxus der Araberzucht leisten und
es wurden Original-Wüstenaraber im Gestüt El Zahraa, Kairo eingekauft.
Mit Hilfe der im Jahr 1983 gegründeten
Internationalen Shagya-Araber-Gesellschaft (ISG), einem Zusammenschluss von
Shagya-Züchtern aus Deutschland, Dänemark, Österreich und der Schweiz, der
sich heute auf 16 Länder sowohl in Europa als auch in Übersee ausgedehnt hat,
geht es wieder aufwärts mit der Shagya-Zucht in Bábolna.
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