Grundsätze der Vererbungslehre
und ihre Anwendung in der Pferdezucht,
speziell bei arabischen Rassen


ein Vortrag von und mit Herrn Dr. Dr. h.c. Johannes Erich Flade, Fliemstorf
26. Oktober 2001 im Hotel Eisenbahn, 6210 Sursee

Vielen Dank dem Referaten Herrn Flade für die ausführlichen Schilderungen.
Leider war der Abend viel zu schnell vorbei.
Vielen Dank auch den Organisatoren: SZAP und SAVS

Folgend, stichwortartig, eine kurze Zusammenfassung

 

 

Der Umweltfaktor

Die Gene

Zuchtmethoden

Schlussbemerkung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1. Wechselwirkungen zwischen Genotyp und Umwelt

Der Genotyp, die Erbanlagen, machen 1/3 der Abstammung aus.
Der weitaus wichtigere Teil, 2/3, werden durch Umwelteinfaktoren beeinflusst. Die Umwelteinflüsse spielen daher eine Schlüsselrolle in der Pferdezucht.

Zyklen der Umweltlabilität beim Pferd mit schwerwiegenden Konsequenzen bei negativen Vorkommnissen, so genannte sensible Phasen sind:

  • Embryonalentwicklung (im Mutterbauch)

  • Jugendentwicklung
    Wichtig ist eine gute Haltung, genug gute Muttermilch (Eiweissgehalt), da ein Fohlen während seinen ersten Lebensmonaten über 3000 Liter Milch zu sich nimmt, die Futterumstellung und nach sechs bis sieben Monaten das Absetzen (Trennungsschmerz)

  • Höchstleistungsperioden
    Ausbildung, Training, Vorbereitung, Rosseperioden, Zuchtanfang
    (Jedoch wird auch der Intellekt, die Nutzung der Lernfähigkeit, über ca 10 bis 20 Genpaare gesteuert. Die Zeiten für die Ausbildung/Training können somit variieren. Ein durchschnittliches Pferd braucht ca 110 Stunden Ausbildung bis zur Klasse E)

  • Verhaltensweisen und Auftreten der Bezugsperson

Begriffserklärung
Genotyp = die Gesamtheit aller Erbanlagen eines Organismus
Phänotyp = die Gesamtheit der physischen, physiologischen und molekularen Merkmale eines Lebewesens
Phänotyp = Genotyp & Umwelt vereinigt

 

1.1 Der Maternaleffekt

Die Grösse des Fohlens richtet sich nach dem Raum welches die Mutterstute bietet. Aus der Anpaarung einer kleinen Stute mit einem grossen Hengst, kann es keine viel grösseren Pferde geben. Die Embryos haben nicht genügend Platz im Bauch, um sich entsprechend zu entwickeln. Sie können nur den "vorhandenen" Platz nutzen.
Daher gilt: das Exterieur kommt mit 62% über die Mutter.

Fazit: das Umfeld so optimal wie möglich gestalten

 

 

2. Wirkungsweisen der Gene

Qualitative Eigenschaften beruhen jeweils nur auf einem oder ganz wenigen Genen (für die Braune Farbgebung sind gerade Mal zwei Gene verantwortlich)

Quantitative Eigenschaften beruhen auf einer Vielzahl von Genen (Widerristhöhe, Charakter, ... sind von vielen Genen abhängig)

Je gezielter man auf einige wenige Kriterien züchtet, desto schneller lässt sich der Zuchterfolg sehen.
Zu viele Individuelle Wünsche können nicht erfüllt werden.

Aber es ist gerade bei den schon reingezüchteten Arabern sehr schwer noch weitere Zucht-Fortschritte zu machen.
Und je besser die Ausgangsposition (perfekte Mutterstute, Deckhengst) ist, desto schwieriger ist es ein noch besseres Fohlen zu erhalten.

Auch spielt der Zufall eine grosse Rolle bei der Zucht. Es können keine 100%igen Vorhersagen über die Nachkommen gemacht werden. Je nachdem wie dominant das Elterntier ist, vererbt dieses seine Eigenschaften an seine Nachkommen weiter. Man spricht auch von Stempelhengsten.
Es gilt jedoch: die Stute ist das Bewahrende Element der Hengst das Revolutionierende.

Und sofern die Gene nicht durch Umwelteinflüsse wie Radiaktive Strahlung, Hitze uoä zerstört oder mutiert werden, sind sie resistent gegen Überalterung (über 1000 Jahre). Dh die dritte, vierte, fünfte Generation der Stammeltern kann noch im Fohlen sichtbar sein.

Fazit: Die Gene, die Abstammung sind relevant für die Zucht.

 

 

 

2.1 Evolution der Gene

Über Millionen von Jahren hat sich die Familie der "equus" weiterentwickelt. Vier Äste der Urfamilie sind bis heute übriggeblieben: das Pferd, der Esel, das Zebra und der Asiatische Halbesel. In dieser Zeit hat eine genetische Umformung stattgefunden, Qualitätsmerkmale wurden ausgeformt, sie haben ihre Leistung optimiert und den Stoffwechsel perfektioniert. (Umweltfaktor!) Und seit über 6000 Jahren hat sich das Wildpferd zum Reitpferd entwickelt.

Übrigens: Pferde haben 64 Chromosome (ausser das Przewalski Pferd, welches 66 hat) Esel 62 und Menschen 46.

Begriffserklärung:
Chromosom = Lange, fadenartige Strukturen im Zellkern. Sie bestehen aus aneinander gereihten Genen und Proteinen.

Fazit: Wildpferde sind nur ca. 120cm gross. Sie haben sich aber optimal in die Umwelt angepasst. Sind daher kleinere Stuten bessere Zuchtstuten als "hochgezüchtete"?

 

 

 

 

3. Zuchtmethoden

Reinzucht
Unter Reinzucht versteht man eine Zucht mit Tieren welche auf gleiche Hengst- und Stutenlinien zurück gehen. So können allfällige Schwachstellen leichter ausgeglichen werden.
Reingezogenen Rassen haben durchschlagenden, unübersehbaren Einfluss auf Fremdrassen und sind beständig.

Linienzucht
Bei einer Linienzucht muss die Hengstlinie in lückenloser Folge auf den Hengst XY zurückverfolgt werden können. Linienzucht ist "einfach" da ein Hengst im Laufe seines Lebens mehrere Dutzend Fohlen produzieren kann.

Familienzucht
Im Gegensatz zur Linienzucht ist die Familienzucht (Stutenlinie) um einiges Aufwendiger. Da eine Stute während ihres Lebens ca. 12 Fohlen zur Welt bringen kann, kann die Linie schneller aussterben zB im Krieg.
Kann jedoch eine Stutenlinie weit zurückverfolgt werden, steht dies für eine sehr gute Qualität der Zucht. Auch beherbergt eine Stutenlinie mehr Informationen über die Genetik der Gründerzeit, da Gene sehr alt werden können.
Die Stute ist das Bewahrende Element in der Zucht, der Hengst das Revolutionierende.

Inzestzucht
Inzucht wird betrieben um die Zucht zu stabilisieren, um die Familieneigenen Gene stärker auszuprägen. Hierbei wird meistens ein Partner der zweiten Generation mit einem der vierten Generation gekreuzt (entspricht einer Verwandtschaft fünften bis sechsten Grades). Inzestzucht sollte man aber nur den erfahrene Züchter überlassen, da die Gefahr von (Gen-) Schäden gross ist.

Kreuzungszucht
Die Kreuzungszucht wird angewandt um aus Landrassen Zuchtrassen zu machen. Es dient der grundsätzlichen Verbesserung. Beim Araber hat eine Fremdbluteinkreuzung jedoch wenig Sinn, da er selbst schon ein Produkt der Reinzucht ist.

 

 

4. Schlussbemerkung

Das Wichtigste jedoch ist der Charakter und die Rittigkeit eines Pferdes.
Denn die Exterieurwerte können mit dem Interieur überspielt werden.
Goethe sagte schon: "Die Schönheit ist das Charakteristische!"

 

   

Ergänzende Informationen

Farbvererbung

Schimmel
Die Schimmelfarbe verhält sich dominant. Erblich reine Schimmel ergeben, mit Nichtschimmeln gepaart ausschliesslich Schimmel. Das bekannteste Beispiel war der Araberhengst Amurath - Landbeschäler in Celle, dessen über 900 Fohlen alle Schimmel waren.
Die Paarung von erblich gemischtfarbigen Schimmeln bringt 25% vollausgefärbte Nachkommen und 75% Schimmel, von denen wiederum 25% erblich reine Schimmel sind.
Paarung mit Nichtschimmelstuten ergibt zu 50% Schimmel und 50% ausgefärbte Fohlen. Die Schimmelfarbe der gemischtfarbigen Schimmel kann somit schon in der ersten oder zweiten Generation verdrängt werden.

Füchse
Die Fuchsfarbe verhält sich rezessiv, dh verdeckt. Sie zeichnet sich durch das Fehlen des schwarzen Pigments aus.
Füchse unter sich gepaart ergeben immer Füchse (oft wichtig zur Vaterschaftsfeststellung).
Füchse bringen mit reinerbigen Rappen oder Braunen keine Füchse, sondern nur Pferde mit schwarzem Pigment (Rappen oder Braune).
Füchse bringen mit gemischterbigen Rappen oder Braunen gepaart je zu 50% Füchse und Fohlen mit schwarzem Pigment.

Rappen
Die Rappfarbe verhält sich rezessiv gegenüber der Braunfarbe. Sie ist gekennzeichnet durch Ausdehnung des schwarzen Pigments über den ganzen Körper.
Die Paarung von reinerbigen Rappen untereinander ergibt stets Rappen, die von gemischterbigen Rappen, zu 25% Rappen und zu 75% Füchse.

Braune
Im Gegensatz zum Rappen ist bei der dominanten Braunfärbung das schwarze Pigment auf Mähne, Schweif, Gliedmassenbehang und einen Teil der Gliedmassen beschränkt.
Aus Paarungen von gemischterbigen Braunen werden Braune, Füchse und Rappfohlen geboren.

Quelle: http://www.pferde-lexikon.de

 

Stempelhengste

Hengste, bei denen viele erwünschten Gene reinerbig (dominant) vorliegen, werden auch als "Stempelhengste" bezeichnet, weil sie ihren Nachkommen - im übertragenen Sinne - einen unverwechselbaren "Stempel" aufdrücken.

Quelle: http://www.schweingruber.de

 

 

weiterführende Seiten

Vererbung
http://www.pferde-lexikon.de/Start/Zucht/Vererbung/vererbung.html
http://www.schweingruber.de

über die Evolution des Pferdes
http://www.ride4fun.de
http://www.egbeck.de/skripten/13/pferd.htm
http://www.flmnh.ufl.edu/natsci/vertpaleo/fhc/fhc.htm (in englisch)

zum Thema Heritabilität
http://neuro.biologie.uni-freiburg.de/Skriptum/5-1-2.htm