Zuchtseminar, Samstag 19. April 2003
Tierklinik Dalchenhof, Brittnau

Was alles dazu gehört bis eine Stute trägt! In zwei Stunden Theorie und Praxis konnten Schaulustige in der Tierklinik Dalchenhof in Brittnau so einiges übers Züchten lernen.

Als erstes wurde Theorie gepaukt:
In freier Natur kommen auf 12 bis 24 Stuten ein Hengst. Dieser muss in der "Hauptovulations-Zeit" der Stuten im Juni alle seine Stuten innerhalb von ca drei Wochen decken. Die Natur hat vorgesorgt: sein Geruchsinstinkt ist so gut, dass er eine Stute genau zum Eisprung (+/- drei Stunden) decken kann und so jeder Schuss zum Treffer wird. Inzucht kann wohl in einer kleinen Herde vorkommen, aber strenge Selektion herrscht dank den hungrigen Wölfen.

Die inneren Geschlechtsorgane einer Stute dienten als erstes anschauliches Beispiel. Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, Gebärmuttermund ... alles konnte "in Natura" auf dem Seziertisch bestaunt und angefasst werden. Was, wo, wofür und mit welchen speziellen Instrumenten wurde erklärt.

Zweites Testobjekt war eine Zuchtstute. Mittels Ultraschall wurden die Eierstöcke auf Aktivität und die Anwesenheit eines Follikels und dessen Reife untersucht. Ebenfalls wurde eine Ausspülung vorgenommen, um Verunreinigungen in den inneren Geschlechtsteilen zu entfernen. Und zum Vergleich "Alte-Neue-Medizin", tastete Herr Dr. Gygax mit der Hand durch den Mastdarm und bestimmte auch so die Grösse des Follikels und somit der ideale Befruchtungszeitpunkt.

Von der Stute zum Hengst:
Testobjekt drei war der Zuchthengst Narym (Balaton x Nemara), welcher diese Saison zur Pacht bei Lasahr Arabians steht. Narym musste seinen Mann stehen. Dieser hatte jedoch keine Lust, aufs nackte Phantom zu steigen, eine Stute musste her!
Gesagt, getan. Sichtbar am leichten Wippen des Schweifes, glückte dann schon der dritte Absamungs-Versuch, der vorgewärmte Behälter wurde mit frischem Sperma gefüllt.

Im Labor wurde dem Ejakulat eine Nährlösung beigefügt und es wurde unter dem Mikroskop auf die Qualität und Quantität (Vorwärtsbeweglichkeit, Anzahl Spermien ...) untersucht. Möchte man dann das Sperma zum Stutenhalter verschicken, werden die Spermien in Röhrchen abgefüllt und, bei Tiefkühlsperma bis auf Minus 196 Grad Celsius, abgekühlt.

Es war ein sehr interessanter und lehrreicher Nachmittag!

Vielen Dank der Tierklinik Dalchenhof und Herrn Dr. med. vet. Gygax für die Schilderungen. Merci der IG Arabisches Pferd für die Organisation dieses Seminars.